Krebitz-Interview Keinen Bock auf Bikini
SPIEGEL ONLINE:
Wie war das Drehen in Lehm, Schlamm und Kälte?
Krebitz: Wie ein Bauarbeiter-Alltag. Man steht um fünf auf und duscht, und eine halbe Stunde später kriegt man überall Matsch hin und Öl, damit man dreckig ist und schwitzt - das freut einen morgens nicht so. Das geht den ganzen Tag weiter - 15 Stunden lang. Dann kommt man nach Hause, duscht, schläft, steht auf und duscht wieder.
SPIEGEL ONLINE: Der emotionale Höhepunkt des Films ist, als Fritzis Verlobter stirbt, sie dann mit Heino Ferch alias Harry Sex hat und sich danach umbringen will. Stand das so im Drehbuch?
Krebitz: Die Liebesszene stand im Buch, aber die habe ich eigentlich nie verstanden. Macht man denn so was in so einer Situation? Im Buch stand auch - Entschuldigung - ein Satz wie "Fick mich, oder ich platze!" Das wollte ich natürlich auf keinen Fall sagen. Ich hatte die Lösung für mich dann darin gefunden, dass sie die ganze Zeit weiß, dass sie sich umbringen wird. Und dann ist da der andere Mann, und es passiert. Das ist ein cooler Abschluss: Wenn man stirbt, sich zu nehmen, was man gerade braucht. Auch wenn es ein bisschen krank ist.
SPIEGEL ONLINE: Sie sind ja selbst Berlinerin. Haben Sie noch eine Beziehung zur Mauer?
Krebitz: Deutsche aus anderen Städten hatten immer ein anderes Gefühl zur Mauer als Berliner. Für uns war sie einfach da, man ist damit aufgewachsen. Mit neun Jahren hat man sich geschworen, Fluchthelfer zu werden, und dann wurde es doch normal. Auf einmal ist die Mauer gefallen, und aus Berlin wurde die tollste Stadt, die es gerade gibt.
SPIEGEL ONLINE: Ist Berlin wirklich die tollste Stadt?
Krebitz: Früher war nur so ein Hängertum in Berlin: Leute, die schon immer wahnsinnig viele Ideen hatten, aber sie niemals vollbracht hatten. Jetzt kommen plötzlich von überall her welche mit Geld dazu, und es entwickelt sich so eine "Neue Mitte", wo Sachen verwirklicht werden.
SPIEGEL ONLINE: Solche aufwendig gedrehten Ausstattungsfilme zu drehen: Macht Ihnen das mehr Spaß als billigere Durchschnittsfilme?
Krebitz: Das ist mir egal. Wenn man einen Sat.1-Film macht und weiß, wer noch mitmacht, wer Regie und Kamera übernimmt, kann man sich besser vorstellen, wie das hinterher aussieht. Und das ist immer die Frage bei Privatsendern: ob das nicht zu trashig wird. Und wenn der Film viel Geld kostet, wird er auch gezeigt.
SPIEGEL ONLINE: Wonach suchen Sie Rollen aus?
Krebitz: Mein größtes Problem, wenn ich Drehbücher lese, ist, dass ich immer denke: Das stimmt doch alles gar nicht! So ein Unsinn. Auch die Sprache und die Figuren, die immer Laura und Anne heißen. Warum kommt die Realität nicht wenigstens ein bisschen vor? Ist denn alles so, wie es Amerika uns vormacht? Und was ist deutsch? Deswegen finde ich "Der Tunnel" okay, weil er deutsche Geschichte in der Filmwelt vorkommen lässt. Danach suche ich.
SPIEGEL ONLINE: Sie singen und modeln ein bisschen...
Krebitz: Ich model nicht! Habe ich noch nie gemacht.
SPIEGEL ONLINE: Doch, auf der Cosmopolitan-Website!
Krebitz: Das ist doch was anderes. Das heißt dann: "Wollen Sie nicht mal 'ne Modestrecke machen?" Das ist nicht Modeln, dafür hätte ich ja Geld kriegen müssen. Das ist Pressearbeit, damit die Leute in irgendeinen Film gehen.
SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie Ihr Image aufgebaut?
Krebitz: Die Filmwelt ist hier doch so popelig. Alle kennen alle. Ich bemühe mich eigentlich sogar, in vielen Blättern nicht vorzukommen, weil ich die so blöd finde. Ich will nicht in die Gala und hab keinen Bock, mich im Bikini fotografieren zu lassen für ein TV-Spielfilm-Cover. Vielleicht kommt ein Image raus, wenn man so denkt.
SPIEGEL ONLINE: Udo Kier und Sie wollten mal heiraten...
Krebitz: Wir hatten uns das hübsch ausgemalt: Dass wir ein rauschendes Fest geben und uns tolle Sachen anziehen und eine erfundene Familie und Trauzeugen einladen. Weil wir uns sehr lieben.
SPIEGEL ONLINE: Kommt die Heirat noch?
Krebitz: Neulich haben wir darüber gesprochen, weil er in "All the Queen's Men" auch mitgespielt hat, als verrückter Nazi-Offizier. Er hat sich jetzt ein Haus in Palm Springs gekauft und vorgeschlagen, dass wir da heiraten sollen. Aber da wir beide so viel arbeiten, dauert es wohl noch.