Krimi-Serie "Dell & Richthoven": Ein Mann sieht rosa - DER SPIEGEL
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Krimi-Serie "Dell & Richthoven" Ein Mann sieht rosa

Selbstjustiz nach Art des ZDF: Als kultivierter Staatsanwalt im Ruhestand knöpft sich Friedrich von Thun in der Krimi-Komödie "Dell & Richthoven" böse Bonzen vor, die er vor Gericht nicht drangekriegt hat – eine bieder-bräsige Rachephantasie für Otto-Normal-Verbraucher.
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Banker unter Untreueverdacht zeigen vor dem Gerichtssaal das Victory-Zeichen, Immobilienhaie können sich durch unübersichtliche Kapitalströme immer wieder vor der Gerichtsbarkeit drücken, und windige Finanzmanager verprassen folgenlos die Ersparnisse von Kleinanlegern – aus der Perspektive des Boulevards ist die deutsche Rechtsprechung eine einzige Zumutung.

Die Forderungen sind deshalb klar: Bessere Gesetze müssen her, härtere Strafen sowieso. Das ZDF hat nun eine ganze Serie um dieses beliebte Ressentiment herumgebaut – eine Art Rachephantasie für den Otto-Normal-Verbraucher. An einer Stelle der Krimi-Komödie "Dell & Richthoven", die sicherlich nicht als Höhepunkt der Drehbuchkunst in die TV-Geschichte eingehen wird, heißt es denn auch: "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen."

Wie gut also, dass es den pensionierten Oberstaatsanwalt Sebastian Richthoven (Friedrich von Thun) gibt! Der will auf seine alten Tage noch mal all jene Bösewichte rankriegen, die er in seiner aktiven Zeit als Jurist laufen lassen musste. Zur Seite steht ihm dabei Bruno Dell (Christoph M. Ohrt), ein Trickbetrüger mit sozialem Tick. Zusammen leimen die beiden Halsabschneider aller Art und verteilen die Beute unter den Bedürftigen.

Selbstjustiz nach Art des ZDF ist natürlich eine höchst gedrosselte Angelegenheit. In "Dell & Richthoven" geht es denn auch derart beschaulich zur Sache, dass wirklich keine Gefahr besteht, bei den mäßig raffinierten Coups der beiden öffentlich-rechtlichen Robin Hoods könnten Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen werden.

Anders als bei Racheklassikern wie "Ein Mann sieht rot" gibt es bei dieser erstmal auf vier Folgen angelegten Produktion keine materiellen oder moralischen Kollateralschäden. Die beiden Männer hier sehen eher rosa – was farblich irgendwie besser in die Donnerstags-Primetime des Zweiten passt, die für flauschige Familienserien reserviert ist.

Trotzdem beschleicht einem bei "Dell & Richthoven" mehr als einmal ein unangenehmes Gefühl. Und das nicht so sehr deshalb, weil in der Serie die guten Trickbetrüger gegen die bösen Trickbetrüger ausgespielt werden – was in gewissem Sinne ja auch einem eher schrägen Rechtsempfinden zuarbeitet.

Schwerer wiegt die Tatsache, dass hier die Sehnsucht bedient wird nach der guten alten patriarchalischen Gewalt, die an umständlichen Paragraphen vorbei für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt. So könnte sie aussehen, die augenblickliche Phantasie so vieler krisengeschüttelter und gelinkter Kleinsparer: Da grübelt ein freundlicher Onkel wie Sebastian Richthoven in gutbürgerlicher Kulisse beim Cognac über Recht und Unrecht und verschiebt dann Mal ums Mal selbstlos einen Batzen Tausender von den reichen Bonzen zu den armen Schluckern.

Trotz dieses populistischen Ansatzes dürfte der Serie (Drehbuch: Michael Illner und Ralf Löhnhardt) allerdings kein langes Leben beschert sein. Die Dialoge sind einfach zu weinbrandselig, und die Akteure vor der Kamera agieren auch unter den Raubtieren der Finanz- und Medienwelt auf Streichelzoo-Niveau.

Dabei spielt neben Friedrich von Thun und Christoph M. Ohrt, zwei Fernsehroutiniers also, die gelegentlich durchaus die eine oder andere ironische Note in den biederen deutschen Serienkosmos zu schmuggeln verstehen, die sonst so wunderbar schlagfertige Katrin Sass als Kämpferin für die gute Sache mit. Doch selbst Sass wirkt, als sei sie mit offenen Augen über den bräsigen Drehbuchzeilen eingeschlafen.

Apropos Gerechtigkeit: Wer bestraft jetzt eigentlich die Verantwortlichen beim ZDF?


"Dell & Richthoven"; donnerstags 20.15 Uhr, ZDF

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