Kritiker-Knockout Faustschlag für die Presse
Vancouver - Im vergangenen Jahr war Uwe Boll für die Goldene Himbeere nominiert - als schlechtester Regisseur. Es war einer der Favoriten, doch er hat die gefürchtete Auszeichnung nicht bekommen. Was nicht heißt, dass es nicht so etwas wie einen internationalen Journalisten-Konsens gäbe, dass Bolls Filme mies sind. Sieben Filme hat der gebürtige Rheinländer schon gedreht, Vampirstreifen, Horrorschocker und Detektivgeschichten - die meisten sind Spieleverfilmungen.
Immer fließt das Blut in Strömen und immer, das ist das Erstaunliche, ist die Besetzung hochkarätig: Hollywoodstars wie Ben Kingsley, Burt Reynolds und Michelle Rodriguez spielen gerne in Bolls Trashwerken wie "Blood Rayne" oder "Alone in the Dark" mit. Trotzdem fallen die Kritiker traditionell über jedes einzelne her. Seine Filme seien "so schlecht, dass sie in die Geschichte eingehen könnten", lästerten sie. Er sei "der schlechteste Regisseur aller Zeiten".
Die Negativpresse wollte sich Uwe Boll, 41, ehemaliger Amateurboxer nicht mehr bieten lassen. Schließlich spielen seine Filme, die er mit Filmfonds finanziert und aus steuerlichen Gründen hauptsächlich in Kanada dreht, weltweit Millionen ein. "Es nervt ungeheuer, dass viele Kritiker schlecht über meine Filme schreiben, ohne dass sie sie gesehen haben. Was erwarten die, wenn ich einen Zombie-Film mit dem Titel "House of the Dead" mache? Schindler's Liste?" Kurzerhand forderte er seine Kritiker auf, mit ihm in Vancouver in den Boxring zu steigen.
Immerhin 15 Journalisten reagierten auf seinen Aufruf und einige streiften sich mutig die Boxhandschuhe über. Sie waren bereit, die Angelegenheit statt mit spitzen Worten mit brachialer Gewalt von Mann zu Mann zu regeln. Und Boll, obwohl promovierter Germanist, von Natur aus offenbar eher zum Handfesten neigend, war in seinem Element. Wie er auf seiner Webseite kundtut, setzte er sich "souverän" gegen seine Kritiker durch. Von vier Boxkämpfen will er zwei durch Aufgabe und zwei durch technisches KO gewonnen haben.
Das bestätigt auch die Nachrichtenagentur AP. Seinen ersten Gegner, einen Internetjournalisten aus Missouri, der sich in Stars-and-Stripes Shorts in den Ring wagte, knockte er mit den Worten "Ihr seid alle schuldig" in der ersten Runde aus. Jeff Sneider, ein Journalist aus Los Angeles besiegte er anschließend durch technisches KO. "Er hat mich windelweich geprügelt", jammerte der Unterlegene anschließend. Er hatte angenommen, bei dem Kampf handle es sich um PR-Schauboxen. Sneiders Urteil über seinen Herausforderer: "Was für ein Idiot."
Chris Alexander, ein auf Horror-Filme spezialisierter Journalist, reagierte als einziger im Stil von Splatter-Schockern auf das Box-Spektakel: Bevor auch er zu Boden ging, erschreckte er den angriffslustigen Regisseur, indem er während des Kampfes auf eine Kapsel mit künstlichem Blut biss, so dass ihm roter Saft aus dem Mund sprudelte. "Ich bedaure nichts. Das ist die schrägste popkulturelle Veranstaltung, bei der ich je dabei war", sagte er anschließend.
Die Schauspielerin Kristanna Loken, die in vielen Boll-Filmen die wilde Abschlachterin mimt, war begeistert über die Schlagkraft von "Raging Boll", wie sich der Regisseur inzwischen rufen lässt: "Das ist komplett lächerlich. Deswegen liebe ich ihn."
Die Zeiten werden offenbar rauher. Wer eine spitze Feder riskiert, bekommt schnell was auf die Mütze. Verbal - oder wie hier geschehen, im wörtlichen Sinn. Bleibt zu hoffen, dass die Methode Boll nicht Schule macht. Sonst müssen Journalistenschulen ihren Stundenplan erweitern - um eine Ausbildung im Nahkampf.