Künstler über Warhol: Papa oder Pinselstricher? - DER SPIEGEL
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Künstler über Warhol Papa oder Pinselstricher?

Andy Warhol war schon zu Lebzeiten eine Ikone, seine Vermischung von Kunst und Kommerz revolutionär. Aber ist sein Mythos noch immer lebendig? Zum 20. Todestag stellte SPIEGEL ONLINE Prominenten aus Kunst und Werbung die Frage, was vom Pop-Artisten übrig blieb.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Oda Jaune, 27, Malerin, verheiratet mit Jörg Immendorff

"Immer wenn mich "Liz", "Jackie" oder die "Cow" anschauten, habe ich auch in ihre Augen zurückgeschaut. Aber ich hatte ein komisches Gefühl, als ob sie jeden Menschen auf die selbe Art und Weise anschauen würden, mit demselben Blick. Bis ich eines Tages das erste Mal die "piss paintings" vor mir sah. Und ich blieb stehen. Sie waren das Nichts und das Alles in einem. Und für mich wunderschön."

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Gerd Harry Lybke, 46, Galerie EIGEN+ART

"Die Arbeiten und vor allem die künstlerische Haltung von Andy Warhol sind immer noch aktuell und werden auch weit über die jetztige Zeit hinausragen. Andy Warhol war der erste internationale Künstler, der seine Rolle auch in und über die Medien wahrgenommen hat. Er hat den Kunstmarkt für die Verbreitung seiner Künstlerhaltung genutzt und ihn beeinflusst."

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Jim Avignon, 45, Maler, Illustrator, Musiker

"Für mich ist Andy Warhol der einzige moderne Künstler der je gelebt hat. Er wollte unbedingt berühmt werden und glaubte, daß er es am ehesten als Künstler schaffen würde. Aber dann war er so gut darin seine Kreativität zu instrumentalisieren, daß er als "moderner Künstler" alle seine Zeitgenossen in den Schatten gestellt hat. Er hat der Nachwelt amüsante Interviews und hübsche Zeichnungen hinterlassen. Und die vage Erinnerung an ein monströses Gesamtkunstwerk aus Factory, Siebdrucken, Filmen, Superstars und Sammelwahn, von dem sich der bürgerliche Kunstverstand 20 lange Jahre erholen musste. Als Vorbild taugt mir Andy Warhol immer noch. Abgesehen davon glaube ich , dass er MySpace geliebt hätte."

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Tobias Bott, Sprecher Scholz & Friends, Berlin

"Warhols Einfluss auf die Werbung war eher gering. Man muss es eher anders herum betrachten: die Werbung hat sein Werk stark geprägt."

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Jonathan Meese, 37, Performance-Künstler, Maler

"ANDY WARHOL IST DAS EWIGE STAATSVOODOOISTISCHE SAALTIERBABY "SCARLETT JOHANSSON"

ANDY WARHOL IST EINE HERMETISCHE TIERBABYDRÜSE, die in immer gleichen SAALRHYTHMUS ERZKUNST AUF EWIG SICH ABSONDERN LÄSST, WIE STAATSGETREIDE. ANDY WARHOL IST EIN lieblichster TOTALER VITALITÄTSSTAATSKRISTALL, der in all unseren Schädeln für immer die Lichtbrechung der ultravisionären TOTALRevolution vollziehen wird. (DON SCHÄDELMESSER) ANDY WARHOL trägt die froschige Erzmaske von ANDY WARHOT, wird immer erzfrisch (erzheiß) sein, der Partei der Kunst als Demut angehören und SAALSCHIMMERN. (DR. WARHOL IST SAINT JUST)"

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Julia Rosenbaum, Sprecherin Deutsche Guggenheim Berlin

"Auch wenn das Deutsche Guggenheim in Berlin Andy Warhol noch keine Einzelausstellung gewidmet hat, gehört er zweifellos zu einem der Protagonisten des 20. Jahrhunderts, der zeitgenössische Künstler heute immer noch stark beeinflusst. Themen wie Reproduzierbarkeit, Rollenspiel und Demaskierung sind aktueller denn je."

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Norbert Bisky, 36, Maler:

"Warhol ist der schwule Todesengel der Avantgarde - der Alptraum der Leistungskurse. Endlich dürfen alle mitspielen. Danke, Andy."

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Ulrich Proeschel, Brand Director TBWA Europe, Berlin

"1985 zeigte Andy Warhol Interesse, die Flasche von Absolut Vodka zu portraitieren. Warhol produzierte ein Original, das in der Anzeigenkampagne genutzt wurde. Damit war eine wichtige Konvention im Kunstmarkt gebrochen und der Weg für andere Künstler geebnet, die vorher nur damit beauftragt wurden, für Werbung zu arbeiten. Ihre Arbeit und sie selbst waren aber nie Hauptdarsteller in einer Anzeige."

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Walter Dahn, 52, Maler

"Andy Warhol hat in meiner Generation - in jeder Hinsicht - alle beeinflusst: Als Maler, Zeichner, Filmer, Photograph, Zeitungsmacher, eben die ganze Haltung! Ich wurde ihm 1983 in New York vorgestellt. Seine Ausstrahlung war frischer, offener, wacher als die des ganzen Jungvolks um ihn herum (inklusive meine)! Er bleibt mein Held."

Zusammengestellt von Cornelis Hähnel

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