Kulturfernsehen "Arte hat kein Gesicht"
Hamburg - Viele Zuschauer, vor allem Gelegenheitskonsumenten, fänden Arte zu kühl und intellektuell, sagte Plog, der auch Intendant des Norddeutschen Rundfunks ist. Konsequenterweise legten die Arte-Macher ein neues Leitbild vor. Im Verbesserungskatalog: Offenheit, Respekt und - Wärme.
Um Arte ein neues Image zu verleihen, soll es in Zukunft mehr wiedererkennbare Gesichter am Bildschirm und ein breiteres Themenspektrum geben. Über die Kultur hinaus soll der Sender an Profil als europäischer Informationssender gewinnen. Ein wichtiger Schritt zum Imagewandel sei, laut Plog, die Ausdehnung des Programms auf den Nachmittag. Seit April ist Arte nach Bremen und Niedersachsen auch in Hamburg ab 14 Uhr im Kabel zu empfangen. Mit den anderen Bundesländern, in denen der Sender wegen knapper Kabelkapazitäten bisher erst ab 19 Uhr gesehen werden kann, steht Arte in Verhandlungen. Die Verantwortlichen zeigten sich zuversichtlich, bis Ende 2002 analog in ganz Deutschland ab 14 Uhr empfangbar zu sein.
Auf lange Sicht sei sogar die Ausdehnung auf den Vormittag geplant. Kratzer in den Visionen verursachen allerdings die Finanzen: Der von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) bewilligte Jahresetat von momentan rund 350 Millionen Euro seien, so Plog, unzureichend.
Positives konnte Arte-Programmdirektor Victor Rocaries im Hinblick auf das im Herbst 2001 veränderte Sendeschema verkünden: Mehr als vier Millionen Deutsche schauten pro Woche mindestens eine Viertelstunde Arte. Neun von zehn Menschen sei der Sender mittlerweile ein Begriff. Der Marktanteil in Deutschland habe 2001 im Schnitt bei knapp 0,8 Prozent gelegen.
Für die neuen Sendeplätze am Nachmittag hat Arte insgesamt 16 Formate entwickelt, zu denen Dokumentationen, Reportagen und Magazinsendungen gehören. Die neuen Sendungen werden ab Mitte diesen Jahres zu sehen sein.
In der Geburtstagswoche vom 25. bis 31. Mai geht Arte auf Reisen in fünf europäische Städte und zeigt Filmklassiker wie Percy Adlons "Out of Rosenheim" und Fritz Langs "Metropolis" in restaurierter Fassung. Außerdem im Programm: ein Romy Schneider-Themenabend, Wim Wenders "Buena Vista Social Club" und als besonderes Bonbon ein Livekonzert der isländischen Sängerin Björk mit Matthew Herbert alias Radio Boy, Star der elektronischen Musikszene.