Kulturhauptstadt Essen "Ich bin high!"
Berlin - Essen habe "ein sehr überzeugendes Programm als künftige Kulturhauptstadt" vorgestellt, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Er gratulierte Essens Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger und seinen Mitarbeitern zu dem Erfolg. "Die anschauliche Essener Bewerbung zeigt, wie weit sich das Ruhrgebiet inzwischen von dem alten Klischee einer Industrieregion mit den sprichwörtlichen "rauchenden Schloten" entfernt hat", so Neumann.
Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) fand lobende Worte für den deutschen Sieger des Wettbewerbs. Essen und das Ruhrgebiet demonstrierten, "wie eine ganze Region kulturell umgewidmet und ihr eine von Kultur geprägte Zukunft erschlossen werden kann", sagte Tiefensee.
Begeisterung bei den Gewinnern: "Wir sind alle glücklich, diesen großen Schritt gemacht zu haben. Kultur mit dem Strukturwandel hat eine ganz zentrale Rolle gespielt", sagte Essens Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger (CDU). Essens Kulturdezernent und Moderator der Kulturhauptstadtbewerbung, Oliver Scheytt jubelte: "Ich bin high. Wir sind auf dem Kulturolymp angekommen." Die Entscheidung sei ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Sprung für das Ruhrgebiet, freute sich der Leiter des Essener Bewerbungsbüros, Jürgen Fischer.
Der Direktor des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, erwartet von der Entscheidung für Essen und Istanbul neben dem ungarischen Pécs als Kulturhauptstädte einen "Riesenschub für den Kulturaustausch". Besonders Essen und Istanbul seien interkulturelle Städte, aber auch Pecs habe eine reiche interreligiöse Tradition, so Sen. Essen hatte in Brüssel auch damit für sich geworben, eine Einwanderungsregion zu sein.
Nach der Entscheidung der Jury in Brüssel für Essen äußerten sich deutsche Politiker auch positiv zu Görlitz, das den Wettbewerb gegen die Stadt im Ruhrgebiet verloren hatte. Wolfgang Tiefensee, der auch Aufbau-Ost-Beauftragte der Bundesregierung ist, sagte, die Stadt könne stolz auf ihre Bewerbung sein - auch wenn sie nicht gewonnen habe.
Die unterlegenen Görlitzer zeigten sich unterdessen als gute Verlierer. "Wir haben ja hier gehört, dass wir nicht deshalb durchgefallen sind, weil wir ein schlechteres Konzept haben", sagte der Görlitzer Kulturbürgermeister Ulf Grossmann. Enttäuscht sei er nicht: "Es war ja von vorneherein klar, dass es nur einen Sieger geben kann."
Görlitz hatte das Rennen gegen Essen nur äußerst knapp verloren. Der Chef der siebenköpfigen Jury, Sir Jeremy Isaacs, sagte, beide Bewerber hätten ausgezeichnete Konzepte vorgelegt. "Wir fanden, dass die Vorschläge von Essen um Haaresbreite besser waren als die von Görlitz und im Interesse von ganz Europa lagen."
Die endgültige Entscheidung, welche Stadt für das Jahr 2010 Kulturhauptstadt wird, wird der Rat der Kulturminister erst im November treffen. Es ist aber noch nie vorgekommen, dass die Entscheidung der Jury nicht bestätigt wurde.
anr/dpa/ddp/AP