Kulturtipp des Monats: Max Hollein plant seinen Mai - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kulturtipp des Monats Max Hollein plant seinen Mai

Der Direktor der Frankfurter Kunsthalle Schirn fiebert Star Wars und den alten Meistern entgegen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für das Nachtleben hat Max Hollein wenig Zeit. Vor einem halben Jahr zog er von New York nach Frankfurt, um die Leitung der Kunsthalle Schirn zu übernehmen ­ was Berge an Arbeit bedeutet. Fast zeitgleich wurde er zum ersten Mal Vater, und "einen Babysitter zu finden erfordert ungeahnten Aufwand".

Sicher ist, dass sich Hollein, 32, im Kino trotzdem nicht "Star Wars: Episode II"  entgehen lässt (Start: 16. Mai): "Ich habe alle Teile gesehen, den ersten als Kind. Ich mag eben opulente Bilder."

Es gehört zu seinem Berufsverständnis, für alle kulturellen Reize offen zu sein, ob Hollywood-Entertainment oder eine Schau über Jan van Eyck, die gerade in Brügge zu sehen ist ­ diese Unbefangenheit sei einer der Gründe gewesen, ihn in die Schirn zu holen. "Man erwartet von mir, nicht so abgeklärt zu sein", sagt er.

Deutsche Feuilletons heben in Artikeln über den gebürtigen Österreicher drei Dinge hervor: sein jugendliches Alter, seine steile Karriere beim New Yorker Museumskonzern Guggenheim und seinen Vater, den berühmten Architekten Hans Hollein. Die "FAZ" witterte im "Sohn von Hans" einen "McGuggie", also einen "Jungmanager", die "Süddeutsche Zeitung" warnte vor "Wellness-Kultur". Hollein nimmt es gelassen.

Noch ist er dabei, sich einzuleben und zu beobachten, "was an Kultur geboten wird und wo das Publikum wirklich hingeht". "Die Cenci"  von Antonin Artaud im Schauspiel Frankfurt will er sehen, auch deshalb, weil das Sound-Konzept vom Musikkünstler Franz Pomassl stammt, der vor kurzem eine Session in der Schirn veranstaltete. "Beeindruckend".

Der Austausch mit anderen Kulturbereichen sei für die Kunst längst bestimmend geworden ­ und umgekehrt. Neugierig sei er auf das Musiktheaterstück

"Three Tales"   bei den Wiener Festwochen, das ein Gemeinschaftswerk des Komponisten Steve Reich und des Videokünstlers Beryl Korot ist.

So zappt Hollein durch Gattungen, Epochen ­ und Sprachen. Weil er die jeweils andere Sprache vermisse, habe er in New Yorker Zeiten Thomas Mann gelesen, nun verschlinge er "Underworld" von Don DeLillo. Bei manchem Buch wolle er einfach wissen, ob der Rummel gerechtfertigt sei. Etwa bei der Zeitgeisthymne "Generation Golf", in dem die Playmobil-Nostalgie seiner Altersgruppe beschrieben ist: "In jeder Generation herrscht eine seltsame Sehnsucht, die eigene Schulzeit noch einmal zu erleben", vermutet er und grinst: "Ich freue mich ja auch auf ,Star Wars'."

Ulrike Knöfel