Kulturtipp des Monats Regine Leibinger plant ihren Januar
Auf ihren neuesten Auftrag ist Regine Leibinger, 39, besonders stolz: Gemeinsam mit ihrem amerikanischen Mann Frank Barkow wird sie für die Architekturfakultät der renommierten Cornell University im Bundesstaat New York ein neues Gebäude bauen. "Ein Wahnsinnserfolg", sagt Leibinger, "auch deshalb, weil deutsche Architekten in den USA kaum Aufträge bekommen." Dass Cornell ein Glücksfall war, weiß sie. Weil die Uni sich mit dem Stararchitekten Steven Holl überworfen hatte, lud sie kurzerhand drei US-Büros und eben Barkow-Leibinger zu einem Gespräch ein. Die Berliner gewannen.
Im Januar reist die Architektin zu Besprechungen nach New York und will sich bei der Gelegenheit in der Leica-Galerie die Bilder der Fotografin Evelyn Richter ansehen, die mit Porträts den sozialistischen Alltag in der DDR dokumentiert hat (ab 31. Januar). Noch lieber würde sie die Wolfgang-Tillmans-Ausstellung im dänischen Humlebæk besuchen, "allein die Architektur des Museums lohnt schon die Reise", aber das wird sie wohl nicht schaffen. Garantiert schafft sie es aber zur Eva-Hesse-Ausstellung in die Tate Modern, weil sie in London einen Vortrag hält. "Hesse wollte ich schon in Wiesbaden sehen, weil ich deren Methode, mit Material und Raum zu arbeiten für die Architektur interessant finde." Auch in der Nähe von Zürich bauen Barkow-Leibinger, und vielleicht kann sie eine Arbeitsreise dahin mit Frank Castorfs Inszenierung "Trauer muss Elektra tragen" verbinden (s. S. 31).
Leibinger ist ein Organisationstalent, denn obwohl sie voll im Büro arbeitet und einen zweijährigen Sohn hat, fehlt sie selten in der Berliner Philharmonie, wenn Simon Rattle dirigiert. Pop ist nicht so ihre Sache, aber neulich hat sie Lisa Bassenge live gehört (s. S. 33), "eine wunderbare Stimme", genau wie Sinéad O'Connor, deren neue CD sie gern hätte. Zum Lesen kommt sie manchmal auch noch, und obwohl Jonathan Franzens "Korrekturen" "einfach zu dick" ist, wird es zu Ende gelesen. Danach ist Jeffrey Eugenides Roman "Middlesex" dran, der erst in einigen Monaten auf Deutsch erscheint. Aber so lange will Leibinger nicht warten. In Berlin ist sie viel unterwegs, besonders gern zu Eröffnungen in ihren Lieblingsgalerien Neugerriemschneider und Klosterfelde, "weil man da nicht nur Kunst sieht, sondern auch noch Freunde trifft". Sehr praktisch.
INGEBORG WIENSOWSKI