Kulturtipp: Luk Perceval plant seinen Monat - DER SPIEGEL
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Kulturtipp Luk Perceval plant seinen Monat

Der neue Hausregisseur der Schaubühne, 48, drückt Julia Jentsch die Daumen und will nach 30 Jahren Deep Purple noch mal live sehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mein Februar ist eigentlich schon verplant: Am 11.2. hat meine Inszenierung von Maria Stuart an der Schaubühne Premiere, und dann ziehe ich auch noch um. Ich habe also genügend zu tun. Vieles von dem, was ich gern machen würde, werde ich aus Zeitgründen gar nicht schaffen. Die neue Biografie über Elfriede Jelinek lesen, zum Beispiel. Ich muss noch 20 andere Bücher lesen für Stücke, die ich inszeniere. Nur zum Konzert des Brad Mehldau Trios werde ich gehen, die kommen auch nach Berlin (21.2.), das ist nicht so aufwendig. Ich habe eine CD von ihnen, aber live hat diese Musik einfach viel mehr Intensität.

Ins Theater gehe ich grundsätzlich ganz wenig. Ich habe einen Freund, der ist Komponist und hört sich nie Musik an. So geht es mir mit dem Theater. Wenn man wie ich schon 20 Jahre in Proberäumen lebt und ständig damit beschäftigt ist, Theater zu machen, dann ist man froh, wenn man abends einfach ins Kino gehen kann. Für zwei gute Freunde würde ich allerdings eine Ausnahme machen: Dimiter Gotscheff bringt am Deutschen Theater Volpone heraus, und Julia Jentsch spielt bei Zadek in Hamburg Der bittere Honig. Ich habe mit Julia schon gearbeitet, an den Münchner Kammerspielen, und ich mag sie sehr, nicht nur als Schauspielerin. Leider hat sie am selben Tag Premiere wie meine "Maria Stuart", aber wie jeder weiß, ist die Premiere ohnehin nie die beste Vorstellung. Alles ist viel zu angestrengt.

Ansonsten gehe ich, wie gesagt, lieber ins Kino. Die Oscar-Favoriten, dieses ganze Hollywood-Kino langweilt mich. Aber Sommer vorm Balkon von Andreas Dresen will ich unbedingt noch sehen, den haben mir viele empfohlen, und mir hat schon Dresens "Halbe Treppe" gefallen.

Und dann gibt es eine Ausstellung in Münster, die mich interessieren würde. Face to Face, lauter Selbstporträts von Künstlern, faszinierend. Ein Selbstporträt ist ungefähr das Schwierigste, was man zeichnen oder malen kann. Das ist so ähnlich, wie sich selbst lange im Spiegel anzugucken. Da entsteht eine ganz komische Verfremdung. Leider ist es sehr unwahrscheinlich, dass ich in Münster vorbeikomme, höchstens mit meinem Boot, wenn es repariert ist. Es liegt noch auf einer Werft in Belgien, aber ab Mai werde ich mir einen Liegeplatz in Berlin suchen und wieder auf meinem Schiff wohnen. Erst mal bin ich froh, endlich eine schöne Wohnung in der Nähe der Schaubühne gefunden zu haben.

Und dann habe ich gesehen, dass Deep Purple in Berlin spielen. Ich habe diese Jungs zu Hause in Antwerpen gesehen, als ich 17 war. Ich trauere dieser Zeit nicht nach, ich gehöre, glaube ich, zu den wenigen Leuten, die nicht immer sagen, als ich jung war, war alles besser. Für mich hat es sich immer anders angefühlt. Aber zu dem Konzert würde ich gern gehen, einfach aus Neugier, was die noch drauf haben.

Aufgezeichnet von Anke Dürr