Kunst: "Billige Eigenheime" - DER SPIEGEL
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Kunst "Billige Eigenheime"

Francesca Ferguson, 37, Kuratorin des deutschen Pavillons in Venedig, über die Peripherie-Ausstellung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

KulturSPIEGEL:

Frau Ferguson, Ihre Ausstellung im deutschen Pavillon auf der Architektur-Biennale 2004 in Venedig heißt "Deutschlandschaft - Epizentren der Peripherie". Was soll man sich darunter vorstellen?

Francesca Ferguson: Wir zeigen eine 80 Meter lange Fotocollage, die sich durch den ganzen Pavillon zieht: zersiedelte Vorstädte, verlassene Industriebauten, Gewerbehallen und Baulücken. In dieses Panorama eingebettet sind 38 Architektenbauten, die sich tatsächlich mit dieser Umgebung auseinander setzen.

KulturSPIEGEL: Sind 38 Vorort-Bauten denn repräsentativ für die deutsche Architektur?

Ferguson: Ja. Sie zeigen, dass Architektur in diesen Gebieten Veränderungen anstoßen kann.

KulturSPIEGEL: Schon ein originelles Wohn- oder Parkhaus soll das Gesamtbild verbessern?

Ferguson: Ein Architekt kann mit seinem Bau einen Gegenentwurf liefern, neue Materialien einführen, Perspektiven eröffnen, etwa Alternativen zum Billig-Eigenheimbau, in dem die Deutschen Meister sind. Wir hoffen, dass die Ausstellung die Peripherie mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt.

KulturSPIEGEL: Ist das nicht Aufgabe der Stadtplanung, also der Politik?

Ferguson: Auch. Man muss in den Ämtern über einengende Planungsrichtlinien und Bauvorschriften nachdenken. Es ist doch bedenklich, dass heute nicht Architekten, sondern oft Logistikfirmen Siedlungen und Gewerbegebiete planen und bauen.

KulturSPIEGEL: Woran liegt es, dass diese Entwicklung kaum öffentlich diskutiert wird?

Ferguson: Weil die Medien lieber über "Avantgarde-Architektenstars" berichten als über dieses komplexe Thema. In England dagegen gilt Architektur als interessantes Feld. Es gibt im Fernsehen zum Beispiel eine Serie über "Dreamscapes".

KulturSPIEGEL: In Ostdeutschland werden viele Plattenbau-Peripherien abgerissen. Warum fehlt das Thema in der Ausstellung?

Ferguson: Es fehlt nicht, wir zeigen auch Rückbau, aber das ist nicht unser Fokus. Ich habe mich entschieden, gebaute Architektur zu zeigen und nicht zu theoretisieren.

KulturSPIEGEL: Ist eine zweidimensionale Fotocollage nicht sehr theoretisch?

Ferguson: Überhaupt nicht. Wer sich über die Dokumentation hinaus interessiert, kann sich hinsetzen und zu jedem Projekt detaillierte Informationen lesen und Interviews mit den Architekten anhören.

INGEBORG WIENSOWSKI


Architektur-Biennale. Venedig. Giardini di Castello. 12.9.-7.11., www.labiennale.org