Kunst Daniel Pflumm
Am Anfang war alles Party und alles Kunst. Crossover nannte man das. Daniel Pflumm kann das Wort nicht mehr hören, er spricht lieber von der unabhängigen Zusammenarbeit zwischen Musikern und Künstlern, von interdisziplinären Projekten, von Clubs, in denen man sich traf, feierte und redete. So wie das "Elektro", ein illegaler Club, den Pflumm 1993 in Berlin gründete. Damals studierte er an der Kunsthochschule, malte und machte Installationen und ein paar Versuche mit der Videokamera. "Ich bin mit meiner kleinen Kamera rumgegangen und habe alle gefragt, ob sie mal Hallo sagen." Das war sein Anfang im Medium Video. "Epoche machend", sagt er und lacht.
Heute sind Pflumms Clubs "Elektro" und "Panasonic" Legenden und Pflumm ein erfolgreicher Künstler. Seine Videos und Leuchtkastenbilder zeigt er in Berlin, New York, London oder Zürich. Allerdings sagt niemand mehr "Hallo" in seinen Filmen.
Seine Anregungen holt sich Pflumm, 32, wie damals, aus dem Fernsehen. "TV ist für mich Bezugspunkt in Sachen Bilder, mindestens so stark wie die Realität", sagt er.
Die Werbung, der niemand mehr entgehen kann, ist sein anderes Thema. In einem Video bewirbt Pflumm zwei eigene Internet-Projekte mit der gleichen Ästhetik und Strategie wie kommerzielle Firmen. In "freecustomer. com" weist er auf kleine Musiklabels und alternative Projekte hin. Das andere, "seltsam.com", zeigt Links zu merkwürdigen Internet-Seiten.
Für seine Leuchtkastenbilder benutzt er Firmenlogos großer Industrieunternehmen wie Esso, Kraft, MasterCard, KLM, Microsoft oder AT&T. Die Macht, die diese Logos repräsentieren, interessiert ihn, weil man ihr nicht entweichen könne. "Aber", sagt Pflumm, "man kann reagieren nicht revolutionär, sondern subversiv und ironisch." Das tut er, indem er den Logos ihren Schriftzug nimmt, ihre Botschaft auslöscht. Er reduziert die Powermarken auf ihren abstrakten Zeichencharakter, macht sie zur leeren Hülse, zur Werbung ohne Namen, zum umrandeten weißen Viereck in der Mitte eines grünen Balkens.
Und weil er gesellschaftsrelevante Arbeiten machen will und er sich trotz aller Subversion und Ironie noch empören kann, will er sich in seinem nächsten Projekt mit den Fernsehberichten von der World-Trade-Center-Katastrophe beschäftigen besonders mit der Zeile "CNN exclusive", mit der vom Sender seine Bilder versehen wurden.
Für die nahe Zukunft plant Pflumm die Neuauflage seiner Club-Idee. Diesmal allerdings will er in Berlin, "irgendwo in der polierten Mitte", einen kleinen Tagesclub aufmachen, wo man sich trifft und redet. Wie damals im "Panasonic" der im Untertitel "Für Gerechtigkeit" hieß.
Ingeborg Wiensowski
FUTURELAND2001.COM: Vor einigen Jahrzehnten war das Jahr 2001 der Inbegriff für Futurologie und Science-Fiction. Jetzt fragt man sich ein bisschen enttäuscht, was denn aus den Phantasien von gestern geworden ist. Vielleicht sind es die Utopien, Sehnsüchte und Visionen für die Zukunft, die junge Künstler wie Björn Dahlem, Tacita Dean, Christian Jankowski, Daniel Pflumm, Fiona Tan und Grazia Toderi in "Futureland" in ihren Bildern, Videos und Computeranimationen umsetzen. Ein Teil der Ausstellung ist in Venlo zu sehen.
Museum Abteiberg. Bis 6.1.2002, Tel. 02161/25 26 31.