Kunst: "Darf Kunst Ware sein?" - DER SPIEGEL
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Kunst "Darf Kunst Ware sein?"

Der Künstler Filomeno Fusco über sein Ausstellungsprojekt "4. OG" im Hamburger Alsterhaus
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

KulturSPIEGEL: Herr Fusco, warum organisieren Sie eine Ausstellung mit 26 Künstlern ausgerechnet in einer halb leeren Kaufhausetage?

Filomeno Fusco:

Weil ich bei meinen Museumsbesuchen bemerkt habe, dass die Museumsshops immer größer werden und die Leute dort mehr Zeit verbringen als in den Ausstellungen. Ich hatte fast das Gefühl, in einem Supermarkt zu stehen.

Und darum gehen Sie jetzt gleich mit der Kunst ins Kaufhaus?

Wer sagt denn, dass Kunst nur im Museum zu sehen sein darf? Das Kaufhaus ist der richtige Ort, um das Verhältnis von Kunst und Kommerz zu analysieren. Heute sind die Grenzen zwischen Werbung, Mode, Design und Kunst doch fließend.

Das hört sich aber wie ein theorielastiges Museums-Ausstellungskonzept an.

Könnte es auch sein, aber viele Menschen besuchen nie ein Museum, und deshalb gehen wir mit unserer Kunst eben zu diesen Leuten.

Wird diese Kunst dann auch zu Kaufhauspreisen verkauft?

Nein. Wir wollen keine Kunst verscherbeln, sondern der Frage nachgehen, ob Kunst überhaupt Ware sein darf oder ob sie dann ihre Einmaligkeit verliert.

Wie sieht denn die Kunst aus, die diese Frage beantworten soll?

Videos, Fotografien, Installationen, Auflagenobjekte und sogar Performances ­ alles, was zeitgenössische Künstler herstellen. Nur Malerei gibt es nicht, weil die gerade mal wieder als Trend propagiert und in großen Ausstellungen gezeigt wird. Aber in drei Jahren ist sowieso etwas anderes angesagt ­ genau wie in der Mode.

Zu kaufen gibt es also gar nichts?

Doch. Bettwäsche, die mit marschierenden Soldaten bedruckt ist, Foto von Schaufensterpuppengesichtern, Architekturaufnahmen oder eine Foto-Wandtapete.

Interview: Ingeborg Wiensowski


"4. OG". Alsterhaus, Hamburg, 25.2.­15.3., Tel. 0179/121 51 68.