Kunst "Denken schadet nicht"
KulturSPIEGEL:
Sie gelten als intellektueller Ausstellungsmacher. Wird der deutsche Pavillon bei der Biennale 2003 in Venedig Kunst zum Nachdenken zeigen?
Heynen: Was für ein schreckliches Vorurteil! Man kann in der Kunst gar nicht zwischen Sinnlichkeit und Intellekt unterscheiden. Ich habe immer auch Arbeiten gezeigt und so mache ich es auch hier im Düsseldorfer K21 , die eine starke emotionale Ebene haben. Ich mag keine Eierkopfkunst. Aber Denken schadet auch nicht.
KulturSPIEGEL: Sie waren der Erste, der Andreas Gursky in ein Museum geholt hat. Können wir in Venedig auch mit Überraschungen rechnen?
Heynen: Wenn Sie hoffen, dass ich Ihnen jetzt Hinweise gebe, irren Sie. Ich werde erst später Namen nennen. Bis dahin können Sie munter spekulieren, das gehört zur Folklore des Ereignisses.
KulturSPIEGEL: Ist ein halbes Jahr zwischen Ihrer Berufung und Beginn der Biennale nicht sehr knapp, um die Ausstellung zu planen?
Heynen: Ich glaube, dass ich ein Konzept habe, das zu vernünftigen Resultaten führt. Aber die kurze Zeit bedeutet natürlich eine Einschränkung. Ich bedauere das sehr, denn im Kunstbetrieb drehen wir grundsätzlich zu schnell am Rad. Das ist nicht gut, weder für die Künstler noch für die Ausstellungsmacher, noch fürs Publikum.
KulturSPIEGEL: Bei der letzten Biennale gestaltete der Künstler Gregor Schneider den deutschen Pavillon in ein "Totenhaus" um und gewann den Goldenen Löwen. Schreckt Sie das?
Heynen: Nein, mir kommt es darauf an, dass die Besucher etwas mit der Ausstellung anfangen können. Was die Kollegen, die Jury, die Medien für Bewertungen vornehmen ... ach Herrgott. Man muss die Sache in den richtigen Dimensionen sehen. Was ich mache, ist nur eine kleine Ausstellung in einem speziellen Gebäude innerhalb einer sehr großen, aber inhaltlich und strukturell eher komplizierten und vielleicht sogar etwas zweifelhaften Veranstaltung.
KulturSPIEGEL: Das klingt, als fehle Ihnen der Ehrgeiz.
Heynen: Im Gegenteil. Es gibt bei der Auswahl und Präsentation von Kunst primäre und sekundäre Kategorien. Die Zeitgeistformel "Erfolg" gehört dabei eher zu den letzteren.
INTERVIEW: INGEBORG WIENSOWSKI