Kunst Der Körper als Bühne
Um "Einsamkeit und Heimweh" gehe es David Zink Yi in dem Video "La Cumbia", heißt es im Katalog der Manifesta 5. Der Künstler selbst hält diese Interpretation für "Quatsch". In seinem Video tanzen zwei Finger nach südamerikanischer Cumbia-Musik auf dem grün angemalten Körper des Künstlers auf und ab. Ab und zu verharren sie für einen Moment, um den Takt mitzuklopfen. Fremd ist das, lustig und ernst gleichzeitig. Natürlich geht es dem Peruaner Zink Yi, 30, auch um seine Erfahrungen als Migrant in Deutschland, aber nicht um die eigene Befindlichkeit. "Interesse an kulturellen Praktiken" habe er, "und die sind immer an den Körper gebunden". Den benutzt er "wie eine Bühne", manchmal wie ein Instrument, und natürlich kann man bei Betrachtung des Videos auch an die moosbedeckten Hügel der Anden denken, wo die Cumbia-Musik zu hören ist.
Musik und kulturelle Identität spielen auch in Zink Yis neuen Videos eine Rolle. Mit denen ist der in Berlin lebende Künstler vom Geheimtipp unter Kollegen und eingeweihten Sammlern zum Jungstar avanciert. Gerade hat er eine Einzelschau in der Mega-Galerie Hauser & Wirth in Zürich gezeigt, und natürlich findet er es "super", dass er inzwischen von seiner Kunst leben kann. Aber wichtiger als Verkäufe, behauptet er, sei ihm das Schmidt-Rottluff-Stipendium, das er gerade bekommen hat, und der "Ars Viva"-Preis des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Und seine neue Ausstellung in Bremen. Dort wird er "eine total andere Arbeit" aufbauen, "eher minimal und reduziert". Auf die Suche nach dem größten Adler der Welt, der legendären Harpyie, will Zink Yi den Betrachter per Video in seine Heimat Peru mitnehmen, in den Urwald von Madre de Dios. Aber um Heimweh geht es auch dieses Mal ganz bestimmt nicht.
INGEBORG WIENSOWSKI
David Zink Yi. Umgehen der Baumkronen. Bremen. Künstlerhaus. 10.7.-8.8., Tel. 0421/ 50 85 98; Manifesta 5. San Sebastián. Casa Ciriza. Bis 30.9., www.manifesta.es