Kunst Dirk Skreber
in Bild, ein Foto? Von sich? Nein, auf keinen Fall, nicht mal für ein läppisches Faltblatt für den "Preis der Nationalgalerie für junge Kunst" lässt er sich ablichten, und auch die Tatsache, dass er für den mit 100000 Mark dotierten Preis nominiert ist, kann den Mann nicht umstimmen. Also erscheint das Faltblatt, nur mit Namen, ohne Gesicht.
Tja. Dirk Skreber kann halt ein bisschen bockig sein. Aber daran will der 39-Jährige etwas ändern. Entweder sich selbst oder vielleicht den Kunstbetrieb. Seltsam eigentlich. Denn von außen besehen scheint alles wunderbar. Skreber ist erfolgreich, seine Bilder hängen in Museen, und internationale Sammler zahlen mehr als 30000 Mark für eine Arbeit von ihm. Dann hat ihn die Jury des neuen Berliner Kunstpreises als einen von 4 unter 112 Vorschlägen ausgewählt natürlich ist er stolz darauf (und natürlich auch skeptisch über derlei Kunst-Wettbewerb). Skreber, der Idealist, der Zweifler, der ein guter Maler sein will und andererseits findet, dass es "furchtbar ist, Maler zu sein". Warum? "Weil man schon zehn Maler im Kopf hat, die vielleicht etwas Ähnliches gemacht haben, sobald man mit dem Pinsel die weiße Leinwand berührt."
Skreber will nichts wiederholen, und er will in seinen Bildern nicht lapidar Dinge abbilden, und Geschichten erzählen will er auch nicht, und interpretieren erst recht nicht. Was bleibt dann noch? Malerei macht nur Sinn, findet er, wenn sie nicht das Leben nachahmt, sondern nah am Leben dran ist. "Man muss offen sein, schonungslos, nur dann fließt Energie in die Malerei, die das Malen so wunderbar macht." Er kann sich dafür begeistern, dass "kaltes Gelb gelber ist als warmes Gelb", er will erforschen, was Farbe kann, welche Konsistenz sie annehmen muss, wie sie etwas abbildet. Darin sei seine Sehnsucht verborgen, sagt er. "Das Einzige, was zählt, ist der reine Malvorgang. Die Bildmotive kommen und gehen."
Motive braucht er trotzdem. Deshalb malt er Allerweltsdinge. Lokomotiven. Lagerhäuser. Möbel. Er malt sie in perfekter Technik, aber mit heruntergelassenem Visier, sie wirken fremd und eigenartig. "Dirk Skreber karikiert die zerbrechliche und aus der Proportion geratene Lebenswelt", staunte etwa die "Frankfurter Rundschau". Meistens findet er nicht richtig, was über ihn geschrieben wird. Deshalb bot er einem Kunstmagazin ein fertiges Interview an, statt eines zu geben: Skreber fragt, Skreber antwortet. "Natürlich ging es um Malerei, es geht immer darum", sagt er. Die Malerei ist eben sein Beruf, und, ach ja, außerdem will er ja etwas ändern. Deshalb hat er sich sogar fotografieren lassen. Aber natürlich in einer Rolle: als Läufer mit Leibwächter.
Ingeborg Wiensowski
PREIS DER NATIONALGALERIE FÜR JUNGE KUNST: Vier Künstler, aber nur ein Preis. Am Nikolaustag wird Kulturminister Naumann erstmals den mit 100000 Mark dotierten Kunstpreis vergeben. Bis dahin stellt das Berliner Museum die Werke der nominierten Künstler aus: Die Düsseldorferin Katharina Grosse zeigt ein auf eine riesengroße Wand gesprühtes Farbwolkenbild, der Düsseldorfer Dirk Skreber präsentiert Gemälde, der Isländer Olaf Eliasson baut eine Mauer aus Erde, die er hinter dem Hamburger Bahnhof ausheben lässt, und der Berliner Videokünstler Christian Jankowski hat professionelle Redenschreiber beauftragt, für alle vier Preisanwärter schon mal die entsprechende Siegerlaudatio zu konzipieren.
Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart.
29.9.20006.1.2001, Tel. 030/39 78 34 11.