Kunst Franz Ackermann
Sein Lachen ist ansteckend, sein Charme überzeugt Kuratoren, Kollegen, Sammler, und er wirkt auch fern der Heimat. Zum Beispiel in Brasilien in der dunkelsten Stunde des Landes. Es war, als die Brasilianer im Fußball-Weltmeisterschafts-Endspiel gegen Frankreich verloren. Ein brasilianischer Minister, kunstbeflissen und fußballfanatisch, hatte Ackermann, der gerade eine Ausstellung in Rio zeigte, zum Fernsehabend geladen eigentlich, um Brasiliens Triumph zu feiern. Und dann das. Peinliche Situation! Doch Ackermann, 37, tröstete die traurigen Gastgeber. Er sang Verlierer-Lieder, er spielte die entscheidenden Szenen nach und führte eine drollige Ronaldo-Pantomime vor. Die brasilianischen Gastgeber vergossen Tränen aber diesmal vor Lachen. So gewinnt man Fans. Eine umfängliche Fan-Gemeinde hatte Ackermann schon immer, auch als er noch in Hamburg studierte und nächtelang an den Reeperbahn-Theken seine Kumpane mit Kunsttheorien strapazierte. Im deftigen Bayerisch, wie sonst. Seine Fans und Freunde hat er sich erhalten, auch jetzt, wo er in aller Welt ausstellt, seine Bilder teuer sind und schon mal die Titelseite des Auktions-Katalogs von Christie's schmückten. Aber der Ruhm scheint ihn nicht zu kümmern. Wenn seine Kollegen bei wichtigen Vernissagen ihre wichtigen Gesichter aufsetzen und sich um die wichtigen Sammler und Kuratoren drängeln, flirtet er lieber mit hübschen Mädchen. Oder fachsimpelt über Fußball. Oder erklärt der Welt seine Arbeiten. Und hier versteht er keinen Spaß. Hier lässt er nicht locker, bis man das Konzept hinter seinen Gemälden und Aquarellen begriffen hat. Was gar nicht nötig ist. Farbenprächtige, blumige Wellen schwingen über Ackermanns Leinwände, schlingen sich um architektonische Formen oder schließen Plätze ein: Meistens sind urbane Motive die Ausgangspunkte in Ackermanns Bildern und Fotoinstallationen. Ein anderes wichtiges Thema ist Tourismus. Ackermann vergleicht die Welt der Reiseprospekte mit der Wirklichkeit; dafür sammelte er auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin tonnenweise Kataloge und reist seit 1991 eifrig durch die halbe Welt. Von seiner knapp zweijährigen Asien-Reise vor zehn Jahren brachte er allerdings nur 15 kleine Zeichnungen mit, Phantasie-Systeme, die an Stadtpläne erinnern. "Ich nenne sie Mental Maps." Heute jettet Ackermann von Ausstellung zu Ausstellung, reist manchmal aber auch an die Ostsee, um in dem Örtchen Prora "den Beginn des Massentourismus unter den Nazis zu erforschen". Oder nach Altötting. Um mit den Schulfreunden Fußball zu spielen. "Trotz der zehn Kilo, die ich zu viel drauf habe", sagt er. Und lacht. Ingeborg Wiensowski
KAUFBEUREN TEMPTED TO PRETEND VERSUCHUNG, VERHEISSUNG, TÄUSCHUNG: Hier kann man seinen Augen nicht trauen, denn was beispielsweise im Videofilm wie eine Küstenstraße aussieht, ist in Wirklichkeit die Krempe eines Herrenhuts. Zwölf Künstler, darunter Sam Taylor Wood, Thomas Demand, Jochen Lempert und Martina Debus, nehmen Wahrnehmungsgewohnheiten aufs Korn, sie spielen mit der Irreführung und der Illusion. Wie Franz Ackermann, der für seine Installation Reiseprospekte gesammelt hat. Kunsthaus. Bis 1.7., Tel. 08341/86 44.