Kunst: Katharina Grosse - DER SPIEGEL
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Kunst Katharina Grosse

Die Düsseldorfer Malerin feiert Erfolge mit kühlen, beinahe keuschen Farbfeldern ­ manche sprayt sie direkt auf die Wände.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Künstler, weiß man, sind irgendwie anders. Ihr Kühlschrank ist immer leer, dafür haben sie den Kopf voll verrückter Ideen, und schon im Krabbelalter, mit den ersten Krakeleien, erweist sich ihr expressives Genie. Weshalb sie dann auch todsicher wissen, dass aus ihnen eines Tages ein großer Künstler wird. Künstler, weiß Katharina Grosse, sind in Wirklichkeit ganz anders. "Dieses mystische Getue", sagt die 39-Jährige, "das man um Talent und Begabung macht, hat mich nie interessiert." Sie selbst jedenfalls fand ihren Beruf fast durch Zufall. Und auch den Erfolg hat sie nie angepeilt ­ "das kam irgendwie von selbst". Aber dafür kam er gewaltig: Gerade wurde Grosse für den mit 100 000 Mark dotierten deutschen "Preis der Nationalgalerie für junge Kunst" vorgeschlagen, unlängst hatte sie unter zwei Professorenstellen die Wahl, zwischendurch plant sie Ausstellungen in Berlin, Wien, Hamburg. Freut sie sich? "Meine Arbeitsbedingungen sind ökonomisiert worden", erwidert sie kühl. Als hätte sie dem romantischen Künstlerklischee den Krieg erklärt. Auch ihr Werdegang ist eine eher geradlinige Angelegenheit. Nach dem Abitur schickt ihre Mutter sie in einen Malkurs. Landschaften. Acht Stunden hockt Katharina Grosse in einem Graben, pinselt sorgsam eine knorzige Weide auf die Leinwand. Anschließend weiß sie: "Das ist es." Sie bewirbt sich an der Kunstakademie in Münster. "Von zeitgenössischer Kunst wusste ich damals nicht viel", sagt sie. Anfangs arbeitet sie figurativ, wie ihr Lehrer. Aber dann wechselt sie an die renommierte Düsseldorfer Akademie, zu Gotthard Graubner. Hier hat die Farbe eine andere Bedeutung; sie ist nicht das Mittel in der Malerei, sondern das Thema. Grosse zieht Bilanz. Die einzige Gemeinsamkeit in ihren Bildern, findet sie, ist eine rohe Farbigkeit. Und daraus zieht sie die Konsequenz: Farben. Von links nach rechts, von oben nach unten. Sie erforscht die Wirkung verschiedener Farbklänge, legt sie übereinander, setzt sie gegeneinander, wagt sich an grelle Dissonanzen. Orange neben Hellblau neben Pink, alles auf riesengroßen Formaten und sehr kontrolliert. Die Wirkung ist frappant: Ihre Gemälde provozieren, vielleicht weil sie so eindeutig, so frech, so groß sind. "Ich fand es immer gut, wenn man sieht, wie die Sachen gemacht sind." Vor allem direkt und einfach. Jetzt braucht sie nicht mal mehr eine Leinwand. Seit neuestem sprüht sie ihre wolkigen Farbfelder direkt auf die Wände, ausufernde Farbnebel, die über Ecken lodern und zu schweben scheinen. Emotional findet sie ihre Sprüharbeiten nicht. "Diese Kategorie ist ein Klischee, und Klischees interessieren mich nicht." Ingeborg Wiensowski


Arbeiten bei "Zeitwenden" in Wien.