Kunst: "Konzept statt Visuellem" - DER SPIEGEL
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Kunst "Konzept statt Visuellem"

Der Berliner Galerist Johann König, 22, über Erwartungsdruck und erfolgreiche Verwandte
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KulturSPIEGEL:

Herr König, Ihr Vater leitet das Museum Ludwig in Köln, Ihr älterer Bruder ist erfolgreicher Galerist in New York und Ihr Onkel Kunstbuchhändler und -verleger. Sie haben noch vor dem Abitur im vergangenen Jahr eine Galerie in Berlin eröffnet. Wie hoch war der Erwartungsdruck?

Johann König: Sehr hoch. Meine größte Angst war, nicht ernst genommen zu werden. Darum wollte ich mich von Anfang an von meiner Familie absetzen und ein ganz eigenes Programm machen.

KulturSPIEGEL: Sie hatten mit elf Jahren einen schweren Unfall, bei dem Sie einen großen Teil Ihrer Sehfähigkeit verloren haben. Wie können Sie Kunst da beurteilen?

Johann König: Für mich funktioniert Kunst vor allem über Inhalte. Mit rein visuellen Dingen komme ich nicht so gut zurecht. Dass ich mich immer mehr für Konzeptkünstler wie On Kawara begeistern konnte als für die abstrakten Bilder von Richter, kommt mir in meiner Situation entgegen.

KulturSPIEGEL: Ihr Künstler Jeppe Hein ist auf der Biennale zu sehen, Sammler und Museen haben Arbeiten Ihrer Neuentdeckung David Zink Yi gekauft. Haben Sie es jetzt geschafft?

Johann König: Nein, noch nicht. Ehe ich mir selber auf die Schulter klopfe, warte ich noch ein bisschen. Erfolg ist eine langfristige Aufbauarbeit.

KulturSPIEGEL: Sie nehmen nicht an der Berliner Kunstmesse "Art Forum" teil. Sind Sie Berlin-müde?

Johann König: Überhaupt nicht, ich finde diese Berlin-Diskussion total überflüssig. Allerdings bedauere ich, dass die Institutionen hier sich nicht für die junge Kunst engagieren.

KulturSPIEGEL: Und warum bleiben Sie dann in Berlin?

Johann König: Nach Köln kann ich nicht, da ist mein Vater, in New York mein Bruder. In Frankfurt ist zu wenig los, London kann ich mir noch nicht leisten. Aber das kann sich ja ändern.

Ingeborg Wiensowski


Galerie Johann König. Berlin, Weydinger Str. 10, Tel. 030/30 88 26 88.