Kunst-Manie Neuer Rekord für Richter-Gemälde
London - Alle wollen Gerhard Richter, ein Verkaufsrekord jagt den anderen, von einer veritablen "Richter-Manie" zu sprechen, scheint da nicht übertrieben: Abermals hat ein Gemälde des deutschen Maler-Stars bei einer Versteigerung den Rekord für Werke des Künstlers gebrochen. "Kerze" sei für den Auktionsspitzenpreis von 7,97 Millionen Pfund (10,5 Millionen Euro) in London versteigert worden, teilte das Auktionshaus Sotheby's mit.
Damit übertraf das Werk aus dem Jahr 1983 auch die "Zwei Liebespaare", die Anfang Februar bei Christie's in London für 7,3 Millionen Pfund versteigert wurden. "Kerze" erreichte zudem mehr als dreimal so viel wie erwartet, elf Bieter stritten um das Gemälde. Richters "Struktur" (1979) wechselte - ebenfalls nach einem Bieterstreit - für 4,61 Millionen Pfund den Besitzer und erlangte damit mehr als doppelt so viel wie zuvor geschätzt. Beide Werke gingen an Privatsammler aus den USA.
Weitere Top-Preise bei der Auktion für zeitgenössische Kunst haben die Angst vor einer Abkühlung auf dem Kunstmarkt zerschlagen: So wurde das Gemälde "Study of Nude with Figure in a Mirror" des Briten Francis Bacon für fast 20 Millionen Pfund versteigert. Lucio Fontanas "Concetto Spaziale, La Fine di Dio" erreichte mit 11,4 Millionen Pfund den Rekordpreis des Künstlers bei einer Versteigerung. Insgesamt erlangte Sotheby's 95 Millionen Pfund - nach eigenen Angaben so viel wie noch nie bei einer Auktion zeitgenössischer Kunst in Europa.
"Der Markt bleibt stark", sagte Francis Outred von Sotheby's, "wir haben einen frenetischen Wettkampf der Bieter für die figurativen und abstrakten Werke von Gerhard Richter gesehen."
Bedeutende Kunstsammlung gespendet
Nicht nur der Kunstmarkt, auch einige Museen haben Anlass zur Freude: So überließ der englische Kunstsammler Anthony d'Offay seine bedeutende Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst im Wert von umgerechnet 164 Millionen Euro britischen Museen. Die Sammlung enthält unter anderem Werke von Andy Warhol, Gilbert & George, Joseph Beuys, Gerhard Richter, Damien Hirst und Jeff Koons und ist die größte Spende an ein britisches Museum, die es je gab.
Die 725 Werke werden in den Besitz der Tate und den National Galleries of Scotland übergehen, teilten die Museen mit. Er wolle mit der Spende jungen Menschen die Kunst näher bringen, sagte d'Offay dem "Guardian".
D'Offay erhält dafür 35 Millionen Euro - so viel wie die Werke wert waren, als er sie erworben hatte. Die Kosten übernehmen zum großen Teil die Kulturbehörde und die schottische Regierung. Die Sammlung ist eine der wichtigsten der Nachkriegszeit in privater Hand und wurde über 28 Jahre hin zusammengestellt. Sie beinhaltet Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Zeichnungen von 32 Künstlern; allein 232 Arbeiten sind von Warhol und 136 von Beuys. Auch sechs Arbeiten von Anselm Kiefer und 14 von Gerhard Richter sind dabei. Die Sammlung, die "Artist Rooms" heißen soll, soll künftig durch Museen und Galerien in Großbritannien wandern. Die erste Ausstellung soll im Frühjahr 2009 zu sehen sein.
Der britische Premierminister Gordon Brown begrüßte die "Großzügigkeit" des Sammlers. Der Direktor der Tate Galerie in London, Nicholas Serota, verglich die Schenkung mit den ersten Spenden, die die Tate-Museen weltberühmt gemacht hatten. "Das befriedigt den Appetit für zeitgenössische Kunst im ganzen Land", sagte er.
D'Offay, seit mehr als 30 Jahre Kunsthändler in London, zeigte unter anderem Arbeiten von Lucian Freud und Gilbert & George schon zu einer Zeit, als sie noch nicht so wertvoll waren wie heute.
hoc/dpa