Kunst: Markus Schinwald - DER SPIEGEL
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Kunst Markus Schinwald

Bei ihm jubeln die Hemden, atmen die Pullover: Mit Charme und Humor hat der Wiener sich einen Ruf als Mode-Terrorist erarbeitet.
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Nur gut, dass damals gerade kein sensibler Gucci-Schlangenlederschuh-Designer in der Nähe war, der Mann hätte wahrscheinlich einen Nervenzusammenbruch erlitten oder er hätte Markus Schinwald ratzfatz mit einem Schnürsenkel erwürgt. So aber konnte Schinwald ungestört die edle Gucci-Sohle absäbeln und stattdessen eine Nike-Sportschuh-Sohle ankleben. Oben schick, unten schnell ­ Schinwald nannte sein hybrides Werk "Snakers". Von Snake und Sneakers. Und er sah, dass es lustig und gut war, und er dachte sich wahrscheinlich: Mach ich jetzt öfter. "Mich interessiert", sagt der 27-Jährige, "was Kleidung alles sein kann, welche ungeahnten Möglichkeiten darin liegen." Ein Schuh und 1000 Möglichkeiten: So entstehen eben die seltsamen Objekte von Markus Schinwald ­ Kunst am Slipper, Kunst am Hemd. Ja, auch das. Sein "Jubelhemd" zum Beispiel. Hierzu schnippelte Schinwald die Ärmel eines weißen Oberhemdes ab und nähte sie verdreht wieder an: Wer das Kunstwerk überstreift, kann nur noch mit erhobenen Armen durchs Leben gehen ­ eine textile Anweisung zum Glücklichsein. So sind fast alle Arbeiten von Schinwald: humorvoll, charmant, unangestrengt, aber zielstrebig ­ wie er selbst. Kein Wunder, dass er Karriere macht. Er stellte auf der BerlinBiennale aus, wurde in Wien bekannt, und in der Ausstellung "Untragbar. Mode als Skulptur", die am 13. Juli im Kölner Museum für Angewandte Kunst eröffnet wird, gehören seine Objekte zu den interessantesten. Dass er zum heimlichen Mode-Terroristen berufen ist, wusste Schinwald schon früh. Mit 14 setzte er durch, dass er auf die Linzer Modeschule gehen durfte, wo er sein Abitur machte und Schneidern lernte. Schinwald hielt als einziger Junge unter 600 (!) Mädchen die Ausbildung durch, anschließend studierte er Kunst- und Kulturwissenschaften. Der Theorie wegen. Dabei braucht Schinwald keine Theorie ­ seine Arbeiten sprechen für sich. Seine "Staub-Jacke" etwa, die er für seine neuesten Kurzfilme entworfen hat; so staubgeladen, dass sie eine "Aura" um den Träger bildet ­ lustig, wenn auch nichts für Allergiker. Auch der atmende Pullover, für den Schinwald einen René-Lezard-Pulli inwendig mit Luftballons bestückte, ist nur begrenzt einsatzbereit. Mit der Popgruppe New Order verhandelt Schinwald über ein gemeinsames Projekt. Die Karriere läuft, wie gesagt. Kein Wunder, dass die großen Modefirmen längst auf den Terroristen aufmerksam geworden sind ­ und Schinwald für Imagezwecke rekrutieren wollen. Sensible Designer bei Gucci & Co. sollten sich warm anziehen. Ingeborg Wiensowski


KÖLN UNTRAGBAR. MODE ALS SKULPTUR: Wie ein Stoff fließt, wie Gewänder Licht reflektieren oder wie Falten fallen ­ das hat Künstler schon immer fasziniert. Und tut es auch heute noch: Rosemarie Trockel beispielsweise strickt Pullover für zwei Personen; Jan Fabre verarbeitet Insekten zu Kleidern; und Künstler wie Sylvie Fleury oder Markus Schinwald beschäftigen sich mit dem Markenbewusstsein der Modekonsumenten. Arbeiten von 23 Künstlern im Museum für Angewandte Kunst. 14.7.­6.9., Tel. 0221/22 12 67 14.