Kunst plus Cover: It's a match
Collagen mit Platten-Covern Beyoncé, wie gemalt
Normalerweise blickt das "Mädchen in Grün" des englischen Malers Frederic Leighton sehnsüchtig in die Ferne, verletzlich und schüchtern, sie trägt ein züchtig hochgeschlossenes Kleid des viktorianischen Zeitalters.
Etwa 150 Jahre später zeigt sich Megastar Beyoncé ebenfalls in smaragdgrün und mit Hochsteckfrisur. Doch ihr Look ist alles andere als keusch: Das Dekolleté ist üppig, die glänzenden Lippen leicht geöffnet. Kann sie als Parodie dessen gelesen werden, was früher mal ästhetisch war?
Im Projekt "Album+Art" treffen Gemälde alter Meister auf Artwork aktueller Popmusik. Das Ergebnis ist witzig, weil so überraschend stimmig: David Bowie reicht wie selbstverständlich auf der mittelalterlichen Arnolfini-Hochzeit einer Braut die Hand. Justin Bieber verschmilzt mit dem Heiligen Sebastian. Rapper Drake gibt einen missmutigen Verehrer in einem Gemälde von 1877 ab. Und Taylor Swift führt in einer Reggianini-Malerei ein Hündchen aus.
Warum sich die Cover so gut einfügen, kann der philippinische Grafiker Eisen Bernardo Bernard erklären. Er experimentierte auf seinem Tumblr-Blog zunächst mit Mash-ups alter Gemälde mit Bildern aus Illustrierten. Dann schlug einer seiner Follower vor, dasselbe mit Artwork der Popmusik zu versuchen.
"Ich glaube, dass gute Covergestaltung sich direkt aus der Welt der klassischen Kunst inspirieren lässt", sagt Bernard, "es gibt viele Ähnlichkeiten und Referenzen zur Malerei." Beim Anblick eines Albumcovers entstehe in seinem Kopf ein spontanes Match mit einem alten Meister. "Nicht immer passt das dann, aber oft", so der Grafiker. Einige Collagen entstünden innerhalb einer Stunde. Für andere Mash-ups recherchiere er bis zu einer Woche nach dem passenden Bild zum Cover.
Man kann seine Bilder als Kommentare des Zeitgeistes lesen. "Manche sagen, in der heutigen Celebritykultur seien Popstars das, was Musen früher den großen Malern gewesen seien: Inspiration", berichtet Bernard von Reaktionen auf seine Arbeit. "Einige interpretieren die Bilder als Kommentare zu Sexismus und der Objektivierung von Frauen. Und wieder andere halten mich einfach für einen Banausen."
In der Fotostrecke finden Sie die Cover-Kunst:
Kunst plus Cover: It's a match