Kunst: Mit Pappe die Kunst retten - DER SPIEGEL
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Kunst Mit Pappe die Kunst retten

Spöttisch kommentiert Heimo Zobernig die weihevollen Kunstbotschaften seiner Kollegen.
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Pathos und Erhabenheit mag er nicht, Aura und Askese hält er für Quatsch ­ jedenfalls in der Kunst. Solche Posen entzaubert Heimo Zobernig, 44, gern durch seine Arbeiten. Der Österreicher bezeichnet sich selbst als "Historiker und Wissenschaftler" und tritt doch mit seinen Ausstellungen als Künstler an. Scheinbar immer seriös und sachlich, tatsächlich aber mit Augenzwinkern und Spott nähert er sich den Helden und Ikonen des Kunstbetriebs. Den "LOVE"-Schriftzug beispielsweise, den Robert Indiana einst zur grafischen Popkunst erhob und den später die Gruppe General Idea zu "AIDS" abwandelte, variiert Zobernig schlicht für die Aussage "REAL": ein Plädoyer fürs Nüchterne und Klare. Den Minimalismus kommentiert er mit spröden Skulpturen aus billigem Pappmaché und Spanplatten, unifarbene Stoffbahnen sollen an Monochromie, Streifenbilder an Farbenlehren erinnern. Schon zweimal war er mit seiner Profan-Kunst bei der Documenta. "Der Banalität so nah und doch so entfernt davon", sagt Jan Hoet, Chef der Documenta IX, über Zobernig. So darf man auch Zobernigs Antwort auf die Frage werten, warum er stets graue Maßanzüge und Maßschuhe trage. In den Bergen, wo er herkomme, sei es nun mal üblich, sich Kleider schneidern zu lassen, so Zobernig, "damit vermittle ich mir selbst Sicherheit".

INGEBORG WIENSOWSKI


Heimo Zobernig. Museum Moderner Kunst, Wien, 7.12.02­2.3.03, Tel. 0043/1/525 00 13 13.