Kunst Nasser Pavillon
Die Mutprobe begann am Eingang: Eine Wand aus Wasser verwehrte den Zugang zu der Ausstellung "Angst" in Essen. Nur wer sich ganz nah an die breite Fontäne herantraute, fand Einlass: Das Wasser versiegte und ließ den Besucher trocken passieren in einen von Wasser umschlossenen Raum. "Wie die Leute reagierten, war superinteressant", sagt Jeppe Hein, 27, und offensichtlich fand das Publikum die Ausstellung ebenfalls superinteressant, so dass der Däne seit damals, 2001, als Shootingstar gilt.
Heins dritte Wasserskulptur steht jetzt am Königsplatz in München und spritzt aus 230 Düsen einen runden Pavillon (Titel: "Raum in Bewegung / Bewegung im Raum"). Der Künstler ist begeistert, dass "Menschen aller Generationen fröhlich rein- und rauslaufen".
Als 17-Jähriger hatte Hein sein erstes Bild im Atelier seines Stiefvaters aquarelliert und später an einer Kunstschule gemalt. Dann begeisterte er sich für zeitgenössische Kunst, besuchte in Frankfurt die Städelschule, und schon nach drei Monaten baute er Wände, die auf Bewegung reagierten, durch den Raum fuhren und ihn so neu aufteilten. Dann konstruierte der gelernte Schreiner Bänke, auf denen die Besucher durchs Museum glitten. "Am lustigsten war", sagt er, "dass sie nicht wussten, wann die Bank fährt und wann nicht." Trotzdem nimmt Hein sein Publikum sehr ernst, "weil meine Arbeit ohne den Betrachter nicht funktioniert".
Ingeborg Wiensowski
Jeppe Hein. München, Königsplatz. Bis 10/ 2002; "I Promise it's Political", Museum Ludwig , Köln. Bis 8.9., Tel. 0221/22 12 23 82.