Kunst Porträt des Intimen
Als sie vor einem Jahr einen Lehrauftrag an der Karlsruher Kunstakademie erhalten hatte und der Rektor ihr viel Erfolg für das erste Seminar wünschte, fragte Antje Majewski ihn: "Was soll ich denen denn bloß erzählen?" Denn Majewski, 34, hat nie an einer Kunstakademie studiert. Kunstgeschichte, Philosophie, Geschichte waren ihre Fächer weil sie keinen Studienplatz für Kunst bekommen hatte. Aber dass sie Künstlerin werden wollte, wusste sie schon, seit sie 13 war.
Jetzt gehört Majewski zu den Malerinnen, deren Bilder in Museen gezeigt werden, die von einer Galerie in London und einer in Berlin vertreten wird und über die gerade in der "FAZ" zu lesen war, sie habe einen "der spannendsten Räume mit handwerklich brillanten Gemälden" in der Frankfurter Malerei-Ausstellung eingerichtet.
Gezeichnet und gemalt hat Majewski schon immer, dann begann sie zu fotografieren, weil sie näher an "die Wirklichkeit" heranwollte. Als ihr das wiederum zu "endgültig" wurde, experimentierte sie mit Foto-Collagen und landete wieder bei der Malerei. "Ich wollte meine Finger drin haben", sagt Majewski. Und ihren Kopf. Und ihre Gefühle, ihre privaten Erlebnisse, ihre persönlichen Fragen also alles, was sie bewegt. Sie will ihre Porträts ruhig und intim wirken lassen, sie zeigt wenig und gerade deshalb viel. Natürlich will Majewski den Betrachter berühren. Beispielsweise mit Gemälden von Häftlingen in russischen Gefängnissen. Sie malte die Bilder, nachdem sie eine erschütternde Fernsehdokumentation über die dortigen Haftbedingungen gesehen hatte.
Ingeborg Wiensowski
"Deutschemalereizweitausenddrei". Kunstverein, Frankfurt
am Main. Bis 13.4., Tel. 069/219 31
40.
"Was bedeutet Malerei heute?", fragt der Kunstvereins-Chef
und lässt gleich 61 Künstler antworten, von denen viele aus
Berlin kommen. Beispielsweise Antje Majewski,
Christian Flamm, Thilo Heinzmann, Johannes Kahrs, Jonathan
Meese, Amelie von Wulffen oder Torsten Slama. Bewährte
Positionen, wie die von Katharina Grosse und Jutta Koether,
und unterschiedliche Stilrichtungen sind vertreten vom
Figurativen bis zur Abstraktion.