Kunst: Putzen als Inspiration - DER SPIEGEL
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Kunst Putzen als Inspiration

Aus Weiß wird Schwarz: In seinen Zeichnungen dreht Marc Brandenburg den Alltag ins Negative.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?



Eine "supergroße Inspiration" für seine Kunst, sagt Marc Brandenburg, sei für ihn eine Unterhaltung zwischen Andy Warhol und dessen Freundin Brigid Polk gewesen, über die er in Warhols "From A to B and Back Again" las. Polk erzählte Warhol damals, wie sie ihr Bad putzte, wie sie alles auseinander schraubte und reinigte, "über Seiten geht das, einfach wunderbar". Darin sieht er Parallelen zu sich und seiner Arbeit. Erstens "im Manischen, weil ich Bild um Bild zeichne und zu Serien aneinander reihe", und zweitens, "weil es in meinen Zeichnungen auch um Profanes, meinen Alltag und meine Umgebung geht".

Langweilig ist der Alltag von Brandenburg, 38, nicht, das zeigen seine schwarz-weißen Blätter. Und die fand das New Yorker Museum of Modern Art so gut, dass es kürzlich gleich 25 Stück kaufte. Sie stammen aus der Serie "Hirnsturm", gezeichnet mit hartglänzendem Bleistift auf Aquarellpapier: Demonstrationszüge, Porträts von Freunden, von Fremden und sich selbst, Micky Maus, ein Tattoo, Werbung aus Magazinen. Brandenburg zeichnet nach Fotovorlagen, die er ins Negativ umwandelt und von denen er einige am Computer so verzerrt, dass sie abstrakt wirken. Weil er keine Phantasie habe, behauptet er, seien diese Verzerrungen und Negativumwandlungen für ihn ein simples Mittel der Verfremdung. Durch einen Zufall kam er auf die Idee, seine Blätter in Schwarzlichtbeleuchtung zu zeigen: Im "Kumpelnest", einer mit dem Effektlicht ausgestatteten Berliner Szenekneipe, begannen die weißen Flächen auf Brandenburgs Zeichnung zu leuchten, als er sie einem Freund zeigte. Brandenburg möchte mit seinen verfremdeten Alltagsszenarien den Betrachter für die umgedrehte Welt begeistern, besser noch, inspirieren. "Ein paarmal habe ich das schon geschafft", sagt er, "vielleicht, weil figurative Arbeiten wie Fliegenfänger auf Menschen wirken, sogar auf die, die nichts mit Kunst zu tun haben."

Ingeborg Wiensowski


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