Kunst: "So abstrakt wie möglich" - DER SPIEGEL
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Kunst "So abstrakt wie möglich"

Der Dresdner Maler Thomas Scheibitz, 35, über seine Einladung zur Biennale in Venedig
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KulturSPIEGEL:

Herr Scheibitz, Sie sind bei der Malereiausstellung der Venedig-Biennale unter 40 Künstlern der einzige junge Deutsche.

Thomas Scheibitz: Ja, das hat mich auch überrascht. Ich hatte mir gar keine großen Gedanken über die Ausstellung gemacht, weil der Kurator Francesco Bonami schon genau wusste, welches Bild er von mir zeigen will. Er kennt meine Arbeit nämlich seit Jahren sehr gut. Jetzt bin ich aber ziemlich neugierig, weil einer meiner ganz großen Helden in derselben Ausstellung ist.

KulturSPIEGEL: Wer denn?

Thomas Scheibitz: Francis Bacon. Ich bin gespannt, wie meine Malerei in dessen Blickachse aussieht, ob man da völlig flach daneben abfällt oder ob sich das gerade noch so hält.

KulturSPIEGEL: Sie hatten gleich nach Ihrem Studium großen Erfolg.

Thomas Scheibitz: Meine erste Galerieausstellung hatte ich 1995 in Dresden, da war ich noch Student. Drei Jahre später kam in Berlin die erste Einzelschau, und daraufhin wurde ich nach London zu einer Ausstellung eingeladen. Da war mir ziemlich schwindlig. Aber es war interessant, weil es viele unterschiedliche Kritiken gab. In Deutschland galt meine Arbeit als unterkühlt, in Großbritannien fand man sie expressiv und geheimnisvoll.

KulturSPIEGEL: Und wie sehen Sie das selbst?

Thomas Scheibitz: Ich mache keine solchen Unterscheidungen, auch nicht zwischen abstrakt und figurativ. In meinen Gemälden soll beispielsweise ein Baum als Baum erkennbar und trotzdem so abstrakt wie möglich sein. Eigentlich kann man sagen, dass es mir um genau diese Gratwanderung geht. Das ist gar nicht so einfach bei figürlichen und gegenständlichen Themen. Mir bleibt nichts anderes, als bei jedem Bild aufs Neue die Grenzen zu finden.

KulturSPIEGEL: Welche Grenzen denn?

Thomas Scheibitz: Zum Beispiel die Grenze zum Kitsch und die Grenze zum Blödsinn.

Interview: Ingeborg Wiensowski


Von Rauschenberg zu Murakami, 1964-2003. Venedig. Museo Correr. 15.6.-2.11., Tel. 0039/041/522 56 25.