Kunst-Tipp: Schwimmende Schnäppchen - DER SPIEGEL
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Kunst-Tipp Schwimmende Schnäppchen

Nichts für Seekranke: Während man an Land vor lauter neuen Kunstmessen langsam den Überblick verliert, wird die besonders gut betuchte Sammlerklientel jetzt immer öfter mit exklusiver Ware auf die schwankenden Planken von Kreuzfahrtschiffen und Luxusyachten gelockt.
Von Nicole Büsing und Heiko Klaas
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine Kreuzfahrt, die ist lustig, aber auf Dauer kann sie auch etwas langweilig werden. Deshalb haben sich die Veranstalter allerhand ausgedacht, um ihr exklusives Best-Ager-Publikum bei Laune zu halten: Golfkurse, Shuffleboard-Partien und Abende mit Prominenten zum Beispiel. Aber vielleicht, so dachte man sich bei der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, wäre es ja auch eine nette Idee, das Publikum ein wenig mit zeitgenössischer Kunst zu verwöhnen.

Die ist zur Zeit extrem angesagt und auch als Geldanlage sehr beliebt. Bereits im September 2006 wurde deshalb das Flaggschiff der Reederei, die "MS Europa", zum Schauplatz einer Premiere: Die schwimmende Kunstmesse Europa.art bot zwischen Hamburg und Lissabon tägliche Vernissagen, Vorträge über den Kunstmarkt und natürlich auch die Gelegenheit, das eine oder andere gute Stück zu kaufen.

Vom Vorjahreserfolg offenbar beflügelt, bieten die Hamburger auch in diesem September wieder eine Kunstkreuzfahrt an. Diesmal geht es von Lissabon unter anderem über Tanger, Barcelona und Palma de Mallorca bis nach Monte Carlo - spezielle Landausflüge inbegriffen. An Bord sind fünf "führende Kunstgalerien" aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz und der für anspruchsvolle Kunstbände bekannte Hatje Cantz Verlag.

Eingebettet wird diese Minikunstmesse in ein umfangreiches Programm mit Vorträgen, Sekt-Empfängen und sogenannten "Atelierbesuchen" in den Kabinen der vier mitreisenden Künstler. Wer immer schon einmal mit Malerfürst Markus Lüpertz eine dicke Zigarre schmauchen und über Kunst diskutieren wollte, ist also auf der "MS Europa" an der richtigen Adresse. Vorausgesetzt, er kann sich die happigen Kabinenpreise zwischen 4990 und 9990 Euro pro Person auch leisten. Alfred Biolek, bisher als Talkmaster, Fernsehkoch und Weinguru bekannt, mutiert übrigens an Bord der "MS Europa" zum "renommierten Kunstkritiker", der den "Gästen beratend zur Seite" steht.

Doch die "schönste Yacht der Welt", wie Hapag-Lloyd sein Traumschiff gerne tituliert, hat schon ein Jahr nach der Premiere der Europa.art Nachahmer auf der anderen Seite des Atlantik bekommen. Aber vielleicht lag die Idee auch einfach in der Luft. Die neu gebaute 70-Meter-Luxusyacht "Seafair" jedenfalls, die sich im Untertitel "The Fine Art Yacht" nennt, wird ab Ende September 34 Hafenstädte an der amerikanischen Ostküste zwischen Maine und Florida regelmäßig abklappern. Platz ist für 28 Galerien, die alle zwei bis vier Wochen in einer Art Rotationssystem ausgetauscht werden.

Angesagt ist hier aber eher die Kunst von Renoir und Monet - allzu Zeitgenössisches bleibt an Land. Das Unternehmen "Seafair" bietet somit die erste permanente Kunstmesse der Welt. Die exklusivste ist es sowieso. Der Eintritt ist zwar frei, doch der Besuch dieser Messe ist nach dem Motto "You must qualify" lediglich den Happy Few vergönnt, die entweder auf der berühmt-berüchtigten Forbes-Liste stehen oder ein Geldvermögen von angeblich mindestens 20 Millionen US-Dollar vorweisen können. Alle anderen müssen sich damit begnügen, auf der Website des Unternehmens hübsche Filmchen mit musikalischer Untermalung à la "Dallas" oder "Denver Clan" anzuschauen.


EUROPA.art: 20.-30. September 2007, www.hlkf.de 
Seafair: ab 25. September 2007, www.expoships.com