Kunstausstellung Documenta war kurz vor Insolvenz
Künstlerischer Documenta-Leiter Adam Szymczyk
Foto: Michael Stewart / Getty ImagesSie ist eine ambitionierte Ausstellung, die weltweit wichtigste Schau moderner Kunst - nun ist die aktuelle Documenta in Kassel nur knapp der Insolvenz entkommen. Die Stadt und das Bundesland Hessen mussten drei Wochen vor dem planmäßigen Ende der Documenta mit einer Bürgschaft über jeweils 3,5 Millionen Euro finanziell aushelfen, wie nun bekannt wurde.
Ende August gab es eine Sondersitzung des Aufsichtsrates, in der die Liquidität gesichert wurde, teilte der Aufsichtsratsvorsitzende und Kasseler Oberbürgermeister Christan Geselle (SPD) am Dienstag mit.
"Der Betrieb der aktuell laufenden d14 ist bis zu ihrem planmäßigen Abschluss am 17. September 2017 in jedem Fall gewährleistet", versicherte der Oberbürgermeister. Stadt und Land seien zudem zur "Fortführung der Documenta in Kassel als Ausstellung zeitgenössischer Kunst von Weltrang" entschlossen.
Documenta-Highlights: Parthenon und Panzer
Um die Zahlungsfähigkeit dauerhaft zu sichern, würden "Sicherheitszusagen der Gesellschafter vorbereitet", erklärte Geselle. Nach einem Bericht der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen" geht es um Bürgschaften von zusammen sieben Millionen Euro. Die Stadt dementierte diesen Betrag nicht.
Kurzfristig wurden offenbar Gläubiger um Stundung gebeten. Unterdessen werden die Finanzen der Documenta GmbH von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durchleuchtet, bestätigte Geselle.
Die Documenta 14 unter Leitung des polnischen Kurators Adam Szymczyk fand erstmals neben Kassel auch in einer weiteren Stadt statt - in Athen. Das Motto der Großausstellung lautete in Anspielung auf die Ursprünge der westlichen Demokratie, aber auch der aktuellen Wirtschaftskrisen in Südeuropa "Von Athen lernen". Der Gesamtetat lag bei 37 Millionen Euro. Jeweils sieben Millionen Euro kamen von der Stadt Kassel und dem Land Hessen sowie viereinhalb Millionen Euro von der Kulturstiftung des Bundes.
Die andere Hälfte sollte die Documenta selbst erwirtschaften, etwa durch Eintrittsgelder und Sponsoren. Beobachter mutmaßen, dass sich die Documenta mit dem Plan übernommen haben könnte, mit ihrem Budget quasi zwei Ausstellungen zu finanzieren.