Kunstmagazin "Monopol" Lost im Bademantel
Berlin - Unter den zahlreichen Magazin-Neugründungen der vergangenen zwei Jahre gehört "Monopol", herausgegeben von den Journalisten Florian Illies und Amélie von Heydebreck, neben "Dummy" zu den anspruchsvollsten und erfolgreichsten. Zweimonatlich nimmt sich das Heft (verkaufte Auflage: 30.000 Exemplare) mit opulenter Optik der jungen Kunstszene an und lässt renommierte Autoren über kulturelle Phänomene schreiben.
Die Februar-Ausgabe widmet sich anlässlich der Berliner Filmfestspiele (10. bis 20. Februar) monothematisch der Filmkunst und enthält unter anderem Geschichten über Stanley Kubrick, den US-Skandalautor Andy Behrmann ("Electroboy") oder Gemälde, die in Filmen verwendet wurden.
Als besonderer Clou dürfte jedoch eine Fotostrecke gelten, die Deutschlands berühmteste Filmkritiker in Bademänteln auf Hotelbetten zeigt - dem bekannten Motiv mit Bill Murray aus Sofia Coppolas Film "Lost in Translation" nachempfunden.
Neben SPIEGEL-Autor Urs Jenny stellten sich Andreas Kilb und Michael Althen (beide "FAZ"), Peter Körte ("Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung), Susan Vahabzadeh ("Süddeutsche Zeitung"), Hans-Georg Rodek ("Die Welt"), Jan Schulz-Ojala ("Tagesspiegel") dem Fotografen-Duo "Cr&sh" alias Christina Roth und Stefan Heidenreich. Die beiden Fotokünstler hatten im letzten Sommer bereits die Schauspielerin Franka Potente in verschiedenen Posen und Verkleidungen für "Monopol" abgelichtet.
Das ungewöhnliche Shooting für die Modestrecke, bei der unter anderem Bademäntel von Versace, Gucci und Burberry gezeigt werden, fand Ende November im Hyatt-Hotel in Berlin statt, um eine Atmosphäre zu finden, die dem Original-Hyatt in Tokyo ähnelt, wo "Lost in Translation" spielt. Das Shooting fand am späten Nachmittag statt, um die Lichter der Stadt im Hintergrund abbilden zu können.
Wie "Monopol"-Chef Illies berichtet, war es eine "organisatorische Großleistung", die sieben Kritiker an zwei Tagen in Berlin aus Hamburg, München und Berlin zusammenzubekommen. Vier Wochen brauchte die kleine Redaktion für die Organisation der Session.
Der Stylist Daniel Blechmann hatte zahlreiche Bademäntel und Badeschlappen aus den Frühjahrskollektionen 2005 ausgewählt - er schlug jedem Kritiker dann eine Kombination vor, manche wählten sich ihr Outfit aber auch selbst aus. So ist "FAZ"-Kritiker Michael Althen in einem weiten Gucci-Kaftan zu sehen; SPIEGEL-Autor Urs Jenny entschied sich für einen edlen Burberry-Bademantel in Rosa.
"Sehr lustig war es, dass sich die Kritiker, die sich sonst nur im Anzug von den Premieren kennen, in Bademänteln auf dem Gang trafen", berichtet Illies. Denn für jeden Kritiker hatten die Fotografen 30 Minuten Zeit eingeplant, dann kam der nächste an die Reihe. Bei den Begegnungen kam es laut Illies zum Teil zu scherzhaften Frotzeleien: "Als sich Michael Althen und Peter Körte auf dem Flur überraschend in ihren Bademänteln gegenüberstanden, meinte Althen trocken: 'Aha, Peter O'Toole trifft Lawrence of Arabia'."
Stefan Heidenreich von "Cr&sh" ist voller Lob für die Laien-Models: Die Filmkritiker, die zuvor noch nie für Magazinfotos posiert hätten, seien "vorbildliche und zuvorkommende Models" gewesen. "Wahrscheinlich", vermutet Heidenreich, "weil sie die Situation von Bill Murray, allein in einer fremden Stadt in einem fremden Hotel, von den zahlreichen Filmfestivals besonders gut kennen."