Kunstmesse Arco: Hier wird jetzt gehandelt - DER SPIEGEL
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Kunstmesse Arco Hier wird jetzt gehandelt

Am Mittwoch eröffnet in Madrid die ehrwürdige Kunstmesse Arco ihre Hallen - als erste große Messe des Jahres. Sie muss sich nach großen Schwierigkeiten wegen der Wirtschaftskrise neu und kommerzieller definieren. Zahlreiche deutsche Galerien sind dennoch regelmäßig und gern dabei.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die letzte Kunstmesse eines Jahres ist die Art Basel Miami Beach, immer noch die Messe mit der höchsten Promi-Quote und mit bonbonfarbenem Spaßfaktor. Ihr genaues Gegenteil ist die erste Messe im neuen Jahr: die Arco Madrid, die vom 15. bis 19. Februar stattfindet und die in ihrem 31. Jahr immer noch als seriöse, fast konservative Messe gilt.

Freudlos und verstaubt ist sie trotzdem nicht, schon weil sie in Madrid fast ein Nationalheiligtum ist, eine Art Volksfest, zu dem jährlich rund 250.000 Besucher kommen, einschließlich der Schulklassen, die traditionell am Freitag mit ihren Lehrern anrücken. Und jedes Jahr eröffnen entweder der spanische König und die Königin oder der Kronprinz mit Gattin die Messe mit einem langen Rundgang.

Das wird auch in diesem Jahr so sein, trotzdem musste die Arco nach großen internen Problemen in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit der wirtschaftlich schlechten Lage Spaniens ihr Konzept ändern. Seit ihrer Gründung sah sich die Kunstmesse wenige Jahre nach dem Ende der Franco-Diktatur als Vermittlerin internationaler zeitgenössischer Kunst in Spanien und wollte nicht ausschließlich dem Kommerz verpflichtet sein. Man sammelte sogar selber, gründete 1987 die "Fundación Arco", und kaufte bei den ausstellenden Galerien bis jetzt rund 235 Arbeiten. Aber heute, so der im zweiten Jahr amtierende Messedirektor Carlos Urroz, sei die Arco kein Festival mehr, sondern "eine Messe, auf der mit Kunst gehandelt wird".

Schwerpunkt lateinamerikanische Kunst

Natürlich wolle man das Kommerzielle mit attraktiven Projekten für Kuratoren und Museumsleute verbinden, und man lade auch weiterhin rund 300 internationale Privatsammler auf Kosten der Messegesellschaft nach Madrid ein. Denn deren Kaufkraft brauche man besonders jetzt. Wichtig sei außerdem, dass weiterhin die lateinamerikanische Kunst im Mittelpunkt steht, die Sammler aus Argentinien, Brasilien, Venezuela oder Kolumbien in das alte Europa mit der verwandten Mentalität und Kultur anzieht. Trotz der näheren Messe in Miami kommen die Sammler nach Madrid, denn "Bayreuth mit Wagner und den Prado gibt es nicht in Miami", sagt der brasilianische Sammler Adolpho Leirner kurz und bündig.

Seit dem letzten Jahr hat Urroz die Messe auf zwei Hallen verkleinert, in denen jetzt insgesamt 215 Galerien aus 29 Ländern ausstellen. Junge Galerien aus zehn europäischen Ländern stellen in einem besonderen Bereich aus, und interessierten Neu-Sammlern wird die Beratung "First Collector" angeboten. Geblieben ist der Länderschwerpunkt mit ausgewählten Galerien und Programmen, dieses Jahr aus den Niederlanden.

Neu ist das "After Arco"-Programm mit kulturellen Aktivitäten in der ganzen Stadt und neu auch die Bitte der Messe, dass alle teilnehmenden Galerien einen ihrer Künstler besonders herausstellen sollen. Die Spanier stellen rund 60 Prozent der teilnehmenden Galerien, danach kommen schon die deutschen. Am längsten ist Bärbel Grässlin aus Frankfurt dabei, die seit 26 Jahren an der Messe teilnimmt und als Highlight Günther Förg zeigt. "Der Anfang auf der Arco war schwer", sagt sie, aber jetzt sei es für sie nach der Art Basel die wichtigste Messe, weil sie einen Sammlerstamm aufgebaut habe, der die Arbeit ihrer Künstler verfolgt und kauft.

Die gleiche Erfahrung hat die Münchner Galerie Sabine Knust gemacht. Zum neunten Mal in Folge ist ihre Galerie auf der Arco. Knust zeigt als Highlight Michael Landy und dazu Positionen von Katharina Sieverding, Markus Oehlen und Arbeiten auf Papier. Er staune immer wieder über das unglaublich kunstinteressierte Publikum, sagt der Galeriedirektor Matthias Kunz: "Sie verfolgen genau unser Programm, und wenn man mit jemanden ins Gespräch kommt, ist er im nächsten Jahr wieder da."

Der Kunstmarkt hat sich verändert

Esther Schipper, eine der wichtigsten Berliner Galeristinnen, ist in diesem Jahr zur Arco zurückgekommen, an der sie 1990 das erste Mal und dann "immer mal wieder" teilnahm. Der Kunstmarkt habe sich total verändert, Umsätze würden nicht in den Galerien, sondern überwiegend auf Messen und auf Reisen zu den Sammlern gemacht. Sie überlege natürlich genau wie ihre Kollegen, welche Messe für sie die richtige sei, aber ehe sie sich beispielsweise für eine der neuen Messen wie zum Beispiel in Hongkong entscheidet, gehe sie lieber erst mal zu den traditionellen alten europäischen Messen wie der Fiac in Paris und der Arco zurück, "nicht nur weil meine portugiesischen Sammler die Arco besuchen, sondern auch wegen der Attraktivität der Stadt und der Museen, und weil mir die Wertschätzung der Messe durch die Besucher und die Kulturpolitik gefällt", sagt Schipper. Ihre Highlight-Künstlerin ist Angela Bulloch, die in Spanien oft ausgestellt wurde und in großen Sammlungen vertreten ist.

Auch die Berliner Galeristen Carlier Gebauer sind zuverlässige Aussteller (Highlight Rosa Barba), genau wie der Galerist Thomas Schulte, der jedes Jahr im Modell genau seinen Stand simuliert und in diesem Jahr auf Zeichnungen von Michael Müller setzt. Mehdi Chouakri zeigt nach seinen Erfolg vom vergangenen Jahr gleich noch einmal Hans-Peter Feldmann, genau wie Michael Zink, der wieder seinen Publikumsliebling Marcel van Eeden ausstellt. Kuckei + Kuckei haben Fotos von Barbara Probst dabei, Isabella Bortolozzi kommt aus Berlin mit der Portugiesin Leonor Antunes, und Aanant & Zoo zeigt in der jungen Abteilung die gerade wiederentdeckte alte Dame Channa Horwitz.

Wer in den Hallen eine Pause von der Kunst braucht, kann sich im Rahmenprogramm über die Konflikte zwischen privaten Sammlern und Museen unterrichten lassen: Während die einen immer mehr Geld in Kunst investieren, haben die anderen immer weniger Geld für Ankäufe zur Verfügung. Ein anspruchsvolles Thema für eine Messe, die kommerzieller werden möchte.


Messe Arco . Madrid. Messehallen 8 und 10, Laufzeit: 15.-19.2.