Kunstmesse "Art Forum" Bunte Vögel in Berlin
"Leute von außerhalb" wollen Eva-Maria Häusler und Peter Vetsch von morgen an nach Berlin holen und ihnen "eine tolle Woche bieten". Dabei haben die beiden Kunstmesse-Direktoren natürlich hauptsächlich ihr "Art Forum" im Sinn, das am 6. Oktober eröffnet. Aber Berlin bietet diese Woche noch einiges mehr.
Allein mit der "Kunstmesse Art Forum" wäre es in diesem Jahr schwierig, die Sammler zu einer Berlin-Reise zu bewegen. Nicht wegen der Wirtschaftskrise. Die hat zwar dem Spekulationsboom ein Ende gesetzt, aber nicht dem Kunstkaufen allgemein: Liebhaber und Sammler gibt es genug, Künstler und Galeristen auch, letztgenannte kann man sogar wieder auf Erden antreffen, nach einigen Flugrunden in höheren Sphären mit rasanter Preisgestaltung im siebenstelligen Bereich. Schwierig wäre es eher, weil das "Art Forum" nicht die einzige Messe im Oktober ist: Die Londoner "Frieze Art Faire" steigt vom 14. bis 17. Oktober und die verjüngte Pariser "Fiac" beginnt am 21. und endet am 24. Oktober.
Galerie-Hopping dank kurzer Wege
In die Hauptstadt locken die Kunstfreunde neben der "Art Forum" noch zwei weitere Messen: Die "Berliner Liste" in der Münze und die "Preview" im alten Flughafen Tempelhof. Zudem gibt es zum dritten Mal die Galerien-Schau "abc - light camera, action" mit Filmen, Installationen und Performances. Und dann gibt es ja noch die Museen, privaten Ausstellungsräume und Galerien. Rund 400 Galerien soll es in der Stadt geben, und viele eröffnen neue Ausstellungen während der Messe oder haben gerade neue Schauen aufgebaut. Da ist man für kurze Wege dankbar wie in der Potsdamer-Straße-Gegend, in die immer mehr Galerien ziehen.
Aber erst mal die Großereignisse: Schon am Mittwoch ist man gefordert, denn gleichzeitig mit dem "Art Forum" eröffnen auch die "Berliner Liste-Messe" und "abc". Spät abends erfährt man bei einem großen Autohändler am Ku-Damm, welche vier Künstler demnächst um den "Preis der Nationalgalerie für junge Kunst" konkurrieren werden. Denn der Sponsor des Preises räumt jährlich alle Autos aus seinem Verkaufsraum und spendiert den Gästen zur Verkündung der bisher geheim gehaltenen Namen nicht nur Getränke, sondern auch einen DJ.
Das wandelnde Kunstwerk Lady Gaga
Vielleicht legt der Musik von Lady Gaga auf. Da sollte man sich gleich vornehmen, in die Galerie Daniel Buchholz in die Fasanenstraße zu gehen: Dort zeigt der Fotograf Wolfgang Tillmans eine Installation seiner neuesten Arbeiten, darunter das Foto einer jungen, eher unauffälligen Frau zwischen den Skulpturen des Wilhelm-Lehmbruck-Museums Duisburg. Buchholz lässt seine Besucher gern raten, wer das sein könnte, aber nur wenige haben bisher Gaga erkannt, denn sie ist völlig ungeschminkt und trägt keine Perücke. Als Tillmans sie persönlich fragte, ob er bei ihrem Oberhausener Pfingst-Konzert ein Porträt von ihr im Museum machen könne, hatte Gaga gleich zugesagt. "Sie kannte meine Arbeit und scheint Interesse an Kunst zu haben", sagt er.
Gleich gegenüber von Buchholz darf man bei "Galeriartist" auf keinen Fall die kleine, wunderbare Panamarenko-Ausstellung mit phantastischen und poetischen Flugmaschinen und Autokonstruktionen verpassen (nur bis 12. Oktober). Ein anderer Pflichttermin ist die Ausstellung in der Akademie der Künste im Hansa-Viertel, auch wenn man sich unter dem Titel "Das Verlangen nach Form - O Desejo da Forma" nicht viel vorstellen kann. Gezeigt wird die radikale Kunstentwicklung Brasiliens seit den fünfziger Jahren, mit grandiosen Arbeiten von Künstlern, die bei uns nur wenige kennen. Auch die Erneuerung der Architektur durch den "Neoconcretismo" ist zu sehen, und sie ist genauso souverän und unabhängig von historischen und zeitgenössischen Vorbildern wie die Kunst.
Wer bei Brasilien eher an Top-Models denkt, dem sei die Schau "On Street, Photographs and Films, 1980 - 2010" des Fotografen Peter Lindbergh in der C/O Galerie empfohlen. Nicht nur Madonna ist auf den 200 Fotos porträtiert, sondern so gut wie jedes angesagte Model dieser Welt.