Kunstmesse Madrid: Volksfest mit König - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kunstmesse Madrid Volksfest mit König

Sie ist eine der wichtigsten Messen für zeitgenössische und moderne Kunst - und sie ist die erste Großmesse des Jahres: die "Arco" in Madrid, ein Gradmesser des Kunstmarkts. Die Szene starrt gebannt auf ihre Verkaufszahlen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Hoch und Tiefs gab es immer", sagen die Pragmatiker unter den Galeristen zu den Aussichten auf dem Kunstmarkt. "Kann nur besser werden dieses Jahr", hört man von den Zweckoptimisten. Die nüchternen Realisten sparen: Sie ziehen mit ihrer Galerie in kleinere Räume, zeigen kleinere - und damit billigere - Formate und nehmen nur noch an einer Messe im Jahr teil; wenn möglich sollte das die Art Basel sein.

Würden sie nach Madrid zur Kunstmesse fahren, egal ob als Teilnehmer oder Besucher, könnten sie die Kunstmarkt-Entwicklung realistisch einschätzen, denn die "Arco" ist nicht nur die erste große Messe in jedem Jahr, sondern auch eine Art Gradmesser, denn sie ist die zweitwichtigste Messe nach Basel. Trotz der im vergangenen Jahr um 15 Prozent erhöhten Preise für einen Stand kommen immer noch 200 Galerien aus aller Welt, aber wahrscheinlich wird sich das Verkaufskarussell langsamer drehen und die Händler werden nach den Erfahrungen von 2009 eher Kunstwerke bis zur Höhe von 100.000 Euro anbieten. Da musste vieles, was teurer war, wieder eingepackt werden, sogar ein sonst begehrter Francis Bacon - 15,7 Millionen Euro bei Marlborough Galleries London - wurde nicht verkauft.

Hoffnungsvoll trotz hoher Rabatte

Weil die Wirtschaftskrise in Spanien härter als in Deutschland zu spüren ist, wird sich da nichts geändert haben. Einige Galerien rechnen mit einem Nullsummenspiel - Einnahmen gleich Kosten - andere sind bereit, hohe Rabatte zu gewähren, über die nicht gesprochen wird. Trotzdem blicken viele Galerien hoffnungsvoll auf die "Arco", denn immerhin kaufen die "Arco"-Stiftung oder auch die Stiftung Reina Sofia Kunstwerke auf der Messe ein. Zudem kommen nach Madrid nach wie vor viele südamerikanische Sammler, wie Bernardo Paz und Adolpho Leirner, obwohl Miami mit dem dortigen Ableger der Art Basel für sie viel schneller zu erreichen wäre. Denn Miami hat keinen Prado und keine königliche Familie, die die Messe eröffnen könnte. Auch diese Woche wird es so sein: Am Donnerstag pünktlich um 12 Uhr eröffnen "ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin von Asturien" die Messe, nicht in einer Fünf-Minuten-Rede, sondern mit einem langen Rundgang.

Am Tag danach wird es voll, denn der Madrilene geht zur Messe: Für den Spanier, aber auch für den Lateinamerikaner ist die "Arco" eine Art Nationalheiligtum, "das klassische spanische Volksfest", sagt der Wiener Galerist Georg Kagl. Nur so lassen sich die weltweit höchsten Messe-Besucherzahlen erklären. 250.000, wie in den vergangenen Jahren, werden dieses Mal vielleicht nicht kommen, aber Schulklassen am Freitag und Familien am Wochenende, das ist Tradition.

Jede Menge Sonderschauen und grandiose Museen

David Hockney

Auf der 29. "Arco" geht es zwar wie auf jeder Messe ums Verkaufen, aber neben den rund 200 internationalen Galerien ist immer auch die Kunstszene eines anderen Landes zu einer großen Ausstellung eingeladen. "Panorama" heißt die Schau, zu der im vergangenen Jahr der Subkontinent Indien kam, jetzt präsentiert sich zum ersten Mal eine Stadt, nämlich Los Angeles. Zwei Kuratoren haben rund 60 Künstler ausgewählt: Stars wie John Baldessari, , Jorge Pardo und Raymond Pettibon sind ebenso präsent wie Newcomer.

Ein Problem verursacht das alles: Bei einem Tagesbesuch ist allein die Sonderschau kaum zu bewältigen, und selbst Insider sind überfordert. Zwar nehmen in diesem Jahr weniger Galerien teil, aber es gibt außer den beiden Schauen in den drei großen, schönen Hallen andere Beiprogramme wie "Solo Projects", "Expanded Box", "CinemaLoop", "Performing" und die "Arco 40", eine Sektion für jüngere Galerien, die auf jeweils 40 Quadratmetern höchstens drei junge Positionen vorstellen.

Zudem will man ja noch in den Prado, mit dem Erweiterungsbau des Spaniers Rafael Moneo, in dem die großartigsten Velázques-Bilder ständig zu sehen sind, und in dem zur Zeit die Ausstellung "Niederländische Maler im Prado" gezeigt wird. Wenn man auf dem Weg dahin an Herzog & de Meurons neuem Caixa-Forum vorbeikommt, muss man einfach reingehen, genauso wie in den Anbau für das Centro Reina Sofia von Jean Nouvel. Alt, aber neu umgebaut und ebenfalls sehenswert sind die Ausstellungsräume im ersten Hochhaus Europas in der Gran Via, in denen der Telefonriese Telefónica Sonderschauen zeigt und seine hochkarätige Sammlung.

Da lohnt sich die Anreise, sogar aus Südamerika.


Messe "Arco".  Messehallen, 17.-21.2.;
Museo del Prado : "Holandeses en el Prado". Bis 11.4.;
Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía:  Mario García Torres. Bis 24.5.;
Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Sabatini Building: Thomas Schütte, 17.2.-17.5.;
Fundación La Caixa:  Miquel Barceló. Bis 13.6.;
Fundación Telefónica.  El Cubismo y sus entornos en las Colecciones de Telefónica. Bis 25.4.