Kunstprojekt übergeben: Haacke ist glücklich - DER SPIEGEL
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Kunstprojekt übergeben Haacke ist glücklich

Das kontroverse Erdkunstwerk "Der Bevölkerung" steht nun im Reichstag. Bei der Übergabe der Installation waren plötzlich alle Vorwürfe vergessen.
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Berlin - Damit hat sich die knappe Parlamentsmehrheit mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse durchgesetzt. Als Erster schüttete Thierse Erde aus einem jüdischen Friedhof in Berlin in den 21 Meter langen und sieben Meter breiten Trog. "Ich gestehe, dass ich Haackes Konzept nicht unkritisch gegenüberstehe", sagte der SPD-Politiker beim kurzen Festakt. Die anhaltende Kontroverse mache deutlich, dass das Kunstprojekt "weiterhin umstritten bleibt", erinnerte Thierse. "Der Künstler wird eine solche Feststellung sicher positiv aufnehmen, gilt es doch geradezu als ein Qualitätsbeweis für seine Arbeit, dass sie sich dem Anlegen herkömmlicher und allzu gängiger Maßstäbe widersetzt."

Bei der Übergabe der Installation im Lichthof des Reichstagsgebäudes schienen alle Hürden überwunden. Vergessen war auch der Vorwurf, es handle sich um "Biokitsch" oder erinnere an Blut-und-Boden-Ideologie der NS-Zeit. Hans Haacke hatte sich gegen solche Vergleiche entschieden gewehrt. Kurz vor Fertigstellung hatte er in einem Schreiben an die Abgeordneten aller Bundestagsfraktionen zur Versöhnung aufgerufen.

Nun hofft Haacke, dass die Parlamentarier in kommenden Monaten das Objekt mit Erde aus ihren Wahlkreisen auffüllen und es so vollenden. Der zu erwartende "spontane Pflanzenwuchs" solle sich "selbst überlassen werden", riet Haacke. Der 64-jährige in New York lebende Künstler erhält sein Honorar aus dem rund acht Millionen Mark zählenden Topf für "Kunst am Bau". Insgesamt 375.000 Mark soll die Zahlung betragen, hieß es. Konzeptkünstler erklärte bei der Übergabe: "Ich bin jetzt sehr glücklich."

Joe F. Bodenstein, AP