Mini-Magazin von Lena Dunham Giggel!
Internetseite Lennyletter.com: Wie sehr so eine Weltsicht knirschen kann
Newsletter können eine Plage sein. Betrunken hat man sich bei irgendeinem Konzert auf einer schmierigen Mailingliste eines Fanzines eingetragen oder bei Zalando einen Haken nicht weggeklickt. Dann war man irgendwie immer zu träge für die Abbestellung. Und bekommt nun unfreiwillig, aber regelmäßig Informationen zu Damenschuhen und der aktuellen Single von der obskuren Hatepunkband "Mörf".
Ein neuer Newsletter aber verhieß im Vorhinein Interessantes: "Lenny" entwickelte die Produzentin und Feministin Jenni Konner zusammen mit Lena Dunham. Letztere ist seit der Serie "Girls" über Leben und Neurosen von New Yorker Twentysomethings das alternative It-Girl der USA und Sprecherin für Emanzipation, Politik und Gesellschaft. Und eine, die scheinbar alle Frauen mit akademischem Abschluss zwischen 20 und 30 gut finden, obwohl bei Dunham nie ganz klar wird, ob sie selbst nur eher Symptom eines großstädtischen Hipster-Lebensstils ist. Oder doch auch als eigenständige Künstlerin ernst genommen werden muss.
Mit der ersten Ausgabe von "Lenny" nun stehen Dunham und Konner auf der eher belanglosen Symptomseite. Was vor allem daran liegt, dass sich ihr Mini-Magazin mit fünf Artikeln nicht aus differenzierten Weltsichten zusammensetzt, sondern sich primär liest wie eine Lifestyle-Anleitung für - Dunhams eigene Worte - "Frauen in den Zwanzigern, die in diesem unklaren Ort zwischen College und dem realen Leben stehen und nicht sicher sind, was sie sein wollen und wie sie das werden wollen". Und die, zumindest bei "Lenny", ihre politischen Ansichten vor allem als Zierde des Ichs verstehen, gleichberechtigt neben anderen Lebensbereichen, wie Mode etwa.
Nur selten weitere Perspektive
Konner und Dunham bezeichnen sich selbst als Feministinnen, sehen aber keinen Widerspruch darin, in "Lenny" auch - weitgehend kritiklos - Konsum zu hofieren - konkret gibt es einen Artikel über zwei Denim-Designer, die von der Kette Topshop entdeckt wurden. Nur sehr selten nehmen die Macherinnen andere Blickwinkel ein, etwa, wenn sie ihre Perspektive historisch weiten mit einem Miniporträt über die vergessene Schriftstellerin June Jordan.
Wie sehr so eine Weltsicht knirschen kann, spiegelt sich etwa auch in Dunhams Clinton-Interview, dem Prunkstück der ersten "Lenny"-Ausgabe. Direkt nach einer längeren Ausführung Clintons zur Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA schließt Dunham eine Frage zu einer Modesünde Clintons an: "Unsere letzte Frage ist mit Abstand die wichtigste." Natürlich meint Dunham das ironisch. Angemessen ist es aber nicht. Sondern der Beweis, dass man "Missy Magazine" und "InStyle" nicht zusammen haben kann.
Darüber hinaus bespielt "Lenny" so offensiv ein "Wir"-Gefühl von Frauen, dass wirklich kritisches Denken schwierig wird: Noch einmal zurück zu Dunhams Clinton-Interview, das schon im Vorhinein durch allerlei Clips beworben wurde, die von zugetaner Einigkeit zwischen dem offenen Clinton-Fan Dunham und Clinton zeugten. Dunham etwa in einem der Videoschnipsel: Would you consider yourself a feminist? Clinton, hochenthusiastisch: YES! Dunham: Giggel!
Auch in der schriftlichen Langfassung war bemerkenswert, wie sich die Frauen hier gegenseitig vor den Karren spannten. Dunham sprach mit Hillary Clinton über ihre Zeit am College. Und gab ihr viel, sehr viel Raum, um eine Jugendgeschichte über einen Sommerjob zu referieren. Die dann wiederum schon sehr früh klarmachte, dass hier eine Frau das Wohl der anderen stets über ihr eigenes stellte. Dunham: Wow.
Im Editorial von "Lenny" schrieben Dunham und Konner an ihre Leser, Millenials würde häufig Nabelschau unterstellt - was nicht stimme. "Ihr seid der Beweis."
Vielleicht sind die Leser das tatsächlich. "Lenny" ist ein Newsletter, den man mit einem Klick abbestellen kann.