Leni Riefenstahl: "Ich könnte die umbringen" - DER SPIEGEL
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Leni Riefenstahl "Ich könnte die umbringen"

Stählern bis zuletzt: Auf der Buchmesse erregte sich Leni Riefenstahl erneut über altbewährte Journalistenfragen.
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Frankfurt/Main - Das Thema Leni Riefenstahl erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit. Hier trifft sich der verführerische Schrecken des Dritten Reiches, eine Karrierefrau samt Aufstieg und Fall und mit ihr die ewige Herausforderung, sie solle doch nun endlich ihre Schuld eingestehen, mit politischer Naivität den Nazis ihre Kunst geliehen zu haben. So fanden sich dann auch rund 400 Journalisten und Schaulustige zu Riefenstahls Pressekonferenz auf der Frankfurter Buchmesse ein.

Dort stellte sie ihren Bildband "Leni Riefenstahl - Fünf Leben" vor. Die Vorstellung wurde vom herausgebenden Taschen-Verlag mit einem Kurzfilm eingeleitet, in dem Aufnahmen aus Riefenstahls umstrittenem Film "Triumph des Willens" über einen NSDAP-Reichsparteitag und bunte Tauchbilder der Unterwasserwelt zusammengeschnitten wurden.

Nach vereinzelten Buh-Rufen folgte ein mühsames Frage-Antwort-Spiel, in dem die Filmemacherin den Medien falsche Berichterstattung vorwarf. Fünfzig Prozent aller Presseberichte über sie seien nicht wahr. Die Fragen der Journalisten waren ebenso wenig überraschend wie die Antworten der alten Dame. So bejahte die 98-Jährige die Frage, ob sie den Tag, an dem sie Hitler traf, verfluche. Ihre filmische Arbeit für Hitler habe aber nur sieben Monate gedauert. Dennoch werde sie als "Verbrecherin" abgestempelt - dabei sei sie nie NSDAP-Mitglied gewesen und habe auch nichts "mit den grauenhaften Verbrechen im Namen des deutschen Volkes" der Nazis zu tun gehabt. Riefenstahl wurde 1948 als Mitläuferin eingestuft.

In Filmen habe sie lediglich die Realität überhöht, um das Wesentliche von dem Unwichtigen zu trennen. Michelangelo habe doch auch "positive Motive" bevorzugt. Ihre Ansicht, sie habe sich immer nur für das "Schöne" interessiert, hatte Riefenstahl schon des öfteren von sich gegeben.

Als "gemeinste Lüge" bezeichnete sie Berichte, denen zufolge sie Sinti und Roma aus einem Konzentrationslager für Dreharbeiten engagiert habe. Leni Riefenstahl hatte 1984 gegen ihre Widersacherin Nina Gladitz prozessiert, die in dem Film "Zeit des Schweigens und der Dunkelheit" behauptet hatte, Riefenstahl habe bei den Dreharbeiten zu ihrem Film "Tiefland" rund 60 Sinti aus dem Konzentrationslager Maxglan bei Salzburg persönlich zwangsverpflichtet, obgleich sie gewusst habe, dass diese nach Auschwitz deportiert und umgebracht werden sollten. "Fassungslos" über die "ungeheure Diffamierung" hatte Riefenstahl 1983 eine einstweilige Verfügung gegen die Wiederaufführung des Fernsehfilms erwirkt. In ihrer Klage entschied das Gericht, dass Nina Gladitz nicht mehr sagen dürfe, dass Leni Riefenstahl von der bevorstehenden Deportation der Sinti nach Auschwitz gewusst habe, sie musste die entsprechenden Stellen aus ihrem Film herausschneiden, allerdings könne sie weiterhin behaupten, dass die Filmerin die Sinti persönlich ausgesucht, sie zwangsverpflichtet und nicht entlohnt habe.

Auf der Buchmesse meinte die ehemalige Tänzerin und Schauspielerin erregt zu diesem Thema, nie in einem Konzentrationslager gewesen zu sein. Die von ihrem Aufnahmeleiter engagierten Zigeuner habe sie als Freunde gewonnen. Sie seien nicht aus einem KZ gekommen. "Ich könnte die umbringen, die so etwas behaupten", schimpfte Riefenstahl, die sodann den Prozentsatz frei erfundener Geschichten an allen Presseberichten über sie auf 90 Prozent erhöhte.

Doch all das sei eigentlich für sie "nicht mehr sehr wichtig", da ihr Leben ohnehin bald zu Ende sein werde, sagte Riefenstahl, die von Hollywood-Regisseur George Lucas einmal als "die modernste Filmemacherin überhaupt" bezeichnet worden war. Auf Grund vieler Krankheiten und Operationen sei in ihrem Körper ohnehin "mehr Eisen als Knochen".