"Lindenstraße" Tod an Himmelfahrt
Köln - Sie ist der "Hausdrachen" der "Lindenstraße" und seit der ersten Folge dabei: Hausmeisterin Else Kling, gespielt von der Annemarie Wendl. Meist mit Kopftuch, Kittel und Putzutensilien bewaffnet, hat sie die Bewohner der "Lindenstraße" seit 21 Jahren und 712 Folgen auf Trab gehalten, ihr Privatleben ausspioniert, gemeckert, intrigiert und gegiftet.
Einige ihrer Serien-Mitbewohner hat Else Kling dabei überlebt: Nach jahrelangen Streitereien konnte Fernsehehemann Egon die Herrschsucht seiner Frau nicht mehr ertragen und ließ sich scheiden. Kurz darauf verunglückte er auf dem Weg zum Fußball-WM-Finale in Paris tödlich. Schauspieler Wolfgang Grönebaum war am 16. März 1998 zwei Tage nach seinem 71. Geburtstag gestorben.
Zwar verzweifelt über Egons Tod, aber nicht viel milder gestimmt, krittelt Else Kling weiter an ihren Nachbarn herum - auch Sohn Olaf ist vor den Tiraden seiner Mutter nicht sicher: Immer wieder findet sie etwas an seiner Ehefrau Ines auszusetzen.
All das hat nun ein Ende: Am 28. Mai wird sie in der "Lindenstraße" den Fernsehtod sterben. Wie ihr Tod aussehen wird, wollte der WDR noch nicht verraten. Nur so viel ist bekannt: Es passiert am Himmelfahrtstag. Sohn Olaf will mit Ehefrau Ines einen Ausflug machen. Aber Gewissensbisse plagen die beiden: Denn Else Kling, gesundheitlich angeschlagen, möchte zu Hause bleiben und ihre Ruhe haben. "Sie hat den Tag anders verplant. Daraus kann man schließen, dass Ines und Olaf nicht dabei sind, wenn sie stirbt", sagt Wolfgang Lotze, Pressesprecher der "Lindenstraße" zu SPIEGEL ONLINE.
Für die Zuschauer mag der Fernsehtod Else Klings überraschend kommen - in Wirklichkeit war er aber seit langem geplant. Bereits Ende 2004 teilte Annemarie Wendl "Lindenstraße"-Produzent Hans W. Geißendörfer in einem persönlichen Gespräch mit, dass sie im Lauf der nächsten eineinhalb Jahre aus der Serie aussteigen wolle und zwar aus gesundheitlichen Gründen, heißt es auf der Homepage der "Lindenstraße". Annemarie Wendl hatte den Wunsch geäußert, dass Else Kling stirbt, "weil die Figur nicht irgendwo in der Serie weiterleben soll." Den Serientod habe sie mit Geißendörfer durchgesprochen, "und gemeinsam haben wir dann das Ende konzipiert", sagte Wendl. "Es wird ein würdiger und ergreifender Abschied - so viel ist sicher."
Nach einem leichten Schlaganfall, vier Lungenentzündungen und einem angeknacksten Halswirbel habe sich Annemarie Wendl dem Dreh-Stress und dem ständigen Pendeln zwischen ihrem Wohnort München und dem Drehort Köln nicht mehr gewachsen gefühlt, heißt es von der "Lindenstraße" weiter.
Geißendörfer musste sich trotzdem erst an den Gedanken der "Lindenstraße" ohne Else Kling gewöhnen: "Annemaries Wunsch nach ihrem Ausstieg aus der Serie war für mich zunächst ein großer Schock. 'Lindenstraße' ohne Else? Eigentlich undenkbar", sagt er. Man könne der Schaupielerin den Stress der Dreharbeiten aber nicht länger zumuten.
Der Szenen zu Elses Ableben wurden bereits im Spätsommer 2005 gedreht. Ihren letzten Drehtag hatte die Wahl-Münchnerin Ende Januar 2006. Bis zu ihrem Serientod bleibt Else auf dem Bildschirm präsent.
Wendl sagte, Else Kling sei eine der wichtigsten Rollen ihres Lebens gewesen. "Über so viele Jahre ein Biest zu spielen und dennoch beim Publikum anzukommen, war eine große Herausforderung für mich", sagte sie.
Allerdings sei der Charakter Else Klings sicher kein Teil von ihr, "dazu sind wir zu verschieden". Sie habe ihr aber zu einer Popularität verholfen, die sie sich in den kühnsten Träumen nicht erhofft habe. Viele Zuschauer hätten versucht, sie umzustimmen, berichtete Wendl. "Aber das geht ja gesundheitlich nicht mehr. Bei der großen "Lindenstraße"-Party im Dezember 2005 habe sie sich offiziell verabschiedet: "Und es war wunderschön, noch einmal so viel Zuspruch und Lob und Anerkennung zu bekommen." Sie werde auf jeden Fall Sonntag für Sonntag die "Lindenstraße" weiterschauen, sagte die 91-Jährige. "Ich muss doch wissen, was mit den Leuten passiert!"
anr/AP/dpa/ddp