Lindenstraße Vater Beimer für den Frieden
Köln - Reisen bildet und bewegt. Auch den Lindenstraßen-Regisseur Hans W. Geißendörfer. Vor einer Woche war er mit Künstlerkollegen im Kanzleramt zu Gast, um mit Gerhard Schröder über den Irak-Krieg zu debattieren. Dabei lernte er nicht nur Ost-Intellektuelle wie Christa Wolf oder Friedrich Schorlemmer kennen, sondern erhielt auch Ansporn, das Thema Irak-Krieg in seiner ARD-Fernsehserie "Lindenstraße" nicht unter den Teppich zu kehren.
Kaum zurück in Köln, sammelte er die gerade anwesenden Schauspieler der Serie um sich und beriet mit ihnen, wie für die populäre Fernsehtruppe Friedens-Engagement möglich sein könnte, ohne den langwierigen Instanzenweg im WDR abzuwarten, der die Serie produziert.
Das Ergebnis der Beratungen können sich Fans der Fernsehserie jetzt auf dem Schwarzen Brett der Lindenstraße im Internet bestellen oder herunterladen. Ein Schrift-Plakat aus zehn Teilen, zusammenzusetzen wie ein Künstlerstarschnitt. Startauflage: 5000. Die schlichte Botschaft: "Kein Angriffskrieg gegen den Irak! Schauspieler & Mitarbeiter der Lindenstraße". Ein solcher Angriffskrieg sei für ihn weder durch das Grundgesetz, noch das Völkerrecht gedeckt, begründet Geißendörfer den ungewöhnlichen Protest, an dem sich unter anderem Vater und Sohn Beimer beteiligen. Nicht alle Schauspieler seien aber bisher über die Aktion unterrichtet, deshalb stehe das Team auch noch nicht komplett unter der Erklärung.
Das Schauspielerteam habe aus persönlicher Betroffenheit gehandelt, auch um anderen Mut zu machen, begründet Wolfram Lotze, der Sprecher des Lindenstraße-Ensembles, die Aktion. Noch sei "leider nicht allzu viel von der Friedensbewegung zu hören", daher sei das Engagement von Prominenten um so wichtiger. So werden auch bei der europaweiten Demonstration am 15. Februar gegen den Irak-Krieg zehn bis 15 Lindensträßler vertreten sein, kündigte Lotze an.
Ganz offiziell ist der Lindenstraßen-Protest aber noch nicht. So wurde auf dem Protest-Plakat auf den Originalschriftzug des Lindenstraßen-Straßenschilds verzichtet, weil die Genehmigung dafür im Sender zu langwierig sei, so Lotze. Die Stellungnahme auf dem Schwarzen Brett der Lindenstraßen-Homepage ("www.lindenstrasse.de") sei aber erlaubt.
Gleichwohl werde überlegt, in einer nächsten Folgen ein ähnliches Plakat mit der Unterzeile "Kein Angriffskrieg gegen den Irak - Die Bewohner der Lindenstraße" einzuschneiden. Entsprechende Schnittstellen für aktuelle Einschübe gebe es schließlich in jeder Folge.