London: Tillmans gewinnt Turner Prize - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

London Tillmans gewinnt Turner Prize

Er galt als "heißer Favorit" und hat gewonnen. Als erster Deutscher ist der Fotograf Wolfgang Tillmans mit dem Turner Prize ausgezeichnet worden, dem wichtigsten britischen Preis für moderne Kunst.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Tillmans ist auch der erste Fotograf, der den mit 20.000 Pfund (64.000 Mark) dotierten Preis bekam. Vier Künstler waren in die engere Wahl für den Preis gekommen, der 1984 gestiftet wurde und mit dem die in Großbritannien tätige Avantgarde der Bildenden Kunst gefördert werden soll.

"Ich bin sehr, sehr glücklich", sagte der in Remscheid geborene Tillmans nach der Mitteilung der Jury in der Tate-Britain-Galerie. "Ich danke allen Freunden, die eine unglaubliche Inspiration für mich waren, und meiner Familie." Tillmans war in den britischen Medien als "Schock-Fotograf" bezeichnet worden, weil er auch Fotos von männlichen Genitalien sowie von urinierenden oder masturbierenden Männern zeigte. Zu seinen Arbeiten gehören jedoch auch weniger kontroverse Landschaftsfotografien, Stillleben und Porträts.

Die Auszeichnung, benannt nach dem englischen Landschaftsmaler Joseph Turner (1775-1851), ist auch eine der umstrittensten der britischen Kunstszene. Die drei anderen Kandidaten für den Preis waren die japanische Installationskünstlerin Tomoko Takahashi, 34, der britische Maler Glenn Brown, 34, und der niederländische Maler Michael Raedecker, 36. In diesem Jahr waren erstmals seit mehreren Jahren wieder zwei Maler in die Endauswahl gekommen.

Der 32-jährige Tillmans lebt seit 1992 in London und ist unter anderem auch Gastprofessor an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste. Seine Fotografien wirken in vielen Fällen meist wie spontane Schnappschüsse aus dem Alltag, sind jedoch sorgfältig vorbereitet und gestellt.