Londoner Traditionszeitung: "Evening Standard" wird Gratisblatt - DER SPIEGEL
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Londoner Traditionszeitung "Evening Standard" wird Gratisblatt

Die Verkäufer des "Evening Standard" gehören zum klassischen Bild einer Londoner U-Bahn-Station. Doch das ist bald Geschichte: Ab 12. Oktober soll die alt-etablierte Tageszeitung, seit 1827 auf dem Markt, kostenlos verteilt werden. Das teilte ihr Eigentümer, der Oligarch Alexander Lebedew mit.
"Evening Standard": Bald ohne Preisangabe unterm Titelkopf
"Evening Standard": Bald ohne Preisangabe unterm Titelkopf

"Evening Standard": Bald ohne Preisangabe unterm Titelkopf

Foto: Peter Macdiarmid/ Getty Images
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Hamburg/London (AP) - Die traditionsreiche britische Zeitung "Evening Standard" gibt es künftig umsonst. Der Eigentümer des in London erscheinenden Blatts, der russische Tycoon Alexander Lebedew, reagiert damit auf den immer härteren Konkurrenzkampf auf dem Zeitungsmarkt.

Bislang kostete der "Evening Standard" 50 Pence (0,55 Euro). Mit dem Schritt zum Gratisblatt, der am 12. Oktober erfolgt, soll die Auflage von derzeit 250.000 auf 600.000 Exemplare steigen. Der "Evening Standard" sei die erste führende Qualitätszeitung, die kostenlos ausgegeben werde, erklärte Lebedew. Er rechne aber damit, dass andere Blätter folgten.

Der russische Milliardär und ehemalige KGB-Agent hatte die Zeitung, die seit 1827 erscheint, Anfang des Jahres übernommen. Der "Evening Standard" ist insbesondere durch den Wettbewerb mit Gratisblättern, die am Nachmittag an Pendler verteilt werden, unter Druck geraten. Wie anderen Zeitungen auch machen ihm die Konkurrenz durch Internet-Portale und sinkende Werbeeinnahmen infolge der Wirtschaftskrise zu schaffen. Beobachter gehen von mehreren Millionen Pfund Verlust pro Jahr aus.

Der britische Branchendienst "Paidcontent:UK" allerdings rechnete am Freitag vor, bereits im März 2009 habe das Blatt über die Hälfte seiner Auflage verschenkt: In Form von Freiexemplaren, wie sie beispielsweise an Hotels, Fluglinien und Erste-Klasse-Passagiere in der Eisenbahn ausgegeben werden.

Entscheidend aber, so der Tenor des Beitrags, sei inzwischen die Frage: Wie bringt man die Leute dazu, für Inhalte zu bezahlen? Dafür spräche auch die Lage beim Londoner "Metro"-Ableger - der einstige Vorreiter der Gratisblatt-Welle hat jüngst massive Einsparmaßnahmen verkündet.

sha/AP