Love Parade 2000: Gigantomanie durch Werbemittel - DER SPIEGEL
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Love Parade 2000 Gigantomanie durch Werbemittel

Teurer war die Love Parade noch nie. Voraussichtlich 1,7 Millionen Mark wird das elfte Berliner Techno-Spektakel kosten. Ein neues Partnerschaftskonzept sieht erstmals vor, dass sich die kommerziellen Sponsoren an der inhaltlichen Gestaltung der Veranstaltung beteiligen können. Gegner planen Boykott-Aktionen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Im vergangenen Jahr seien noch rund 300.000 Mark weniger ausgegeben worden, sagte der Sprecher der Love Parade, Enric Nitzsche, am Dienstag in Berlin. Die Veranstalter erwarten zu der Veranstaltung am 8. Juli erneut bis zu 1,5 Millionen Raver.

Bisher wisse man noch nicht genau, wie die Besucher der Love Parade versorgt werden sollen. Nach einer Ausschreibung, an der sich auch die Organisatoren beteiligten, habe eine Berliner Catering-Firma den Zuschlag vom Land Berlin erhalten, sagte Nitzsche. Fünf Wochen vor der Love Parade sei die damit zusammenhängende Logistik jedoch noch nicht klar, so Nitzsche. Über die Entscheidung sei man dennoch zufrieden. Denn damit müssten sich die Organisatoren nun nicht mehr an den Kosten für die Müllbeseitigung beteiligen. Das übernehme die Catering-Firma.

Die zwölfte Love Parade, die unter dem Titel "One World - One Love Parade" wieder durch den Tiergarten ziehen soll, wird ein neues Partnerschaftskonzept haben. Unter dem Motto "We take care of Love Parade 2000" sollen Sponsoring-Firmen erstmals die Demonstration mitgestalten. "Im Vordergrund stehen für uns aber die Interessen der Teilnehmer. Jeder Partner bringt vor Ort etwas ein, das den Besuchern zugute kommt", sagte Nitzsche.

So sollen zwei riesige Videoschirme an der Siegessäule eine Kommunikations- und Informationsplattform für die Mammutveranstaltung bilden. Besucher können sich zudem bei so genannten Action-Teams über Events oder freie Übernachtungsplätze informieren. Die Teams sind unter anderem mit Laptops und Handys ausgestattet und begleiten die Parade. Zahlreiche Radio- und Fernsehsender werden wieder die Parade übertragen, der SFB hat Gotthilf Fischer als Live-Berichterstatter verpflichtet. Außerdem kann man das Spektakel auch erneut im Internet miterleben.

Die Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Partnerkonzepts wurde immer wieder von Mitgliedern der Bürgerinitiative "Rettet den großen Tiergarten vor der Love Parade" unterbrochen. Sie beschuldigten die Veranstalter, den Park zu verschmutzen und sogar zu zerstören. "Dass es eine gewisse Belastung gibt, ist unbestritten. Es gibt aber auch keinerlei Studien, die belegen, dass die Aussagen der Initiative wahr sind", meinte Nitzsche.

Bereits im Januar hatte ein "Runder Tisch" mit Vertretern von Senatsbehörden, Bezirken und Polizei über alternative Streckenführungen der Love Parade beraten. Keine der 19 Routen sei jedoch für eine Veranstaltung mit derartigen Ausmaßen geeignet, sagte Nitzsche. Die Parade ist auch in diesem Jahr als politische Demonstration bei der Polizei angemeldet und führt wie in den vergangenen Jahren über die Straße des 17. Juni durch den Tiergarten zur Siegessäule.

Die Bürgerinitiative kündigte Aktionen vor und während der Love Parade an. "Wir planen, vermutlich bereits in der kommenden Woche Klage gegen die Veranstalter der Love Parade zu erheben", sagte ein Mitglied der Initiative. Während der Love Parade sei eine Lkw- Blockade am Bahnhof Tiergarten geplant.