Ludwig-Börne-Preis Ehrung für Augstein
Frankfurt/Main - Der Preis wird am 5. November in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Die Laudatio hält der diesjährige Preisrichter und Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher.
Schirrmacher begründete seine Entscheidung damit, dass Augstein, geprägt von der Erfahrung des Krieges und der Diktatur, mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL der Nachkriegs-Bundesrepublik ermöglicht habe, "wieder in ein Gespräch mit sich selbst und der Umwelt einzutreten. Er hat dem Land damit innere Freiheit wiedergegeben." Augstein stehe damit "wie kaum ein anderer Publizist in der aufklärerischen und freiheitlichen Tradition, die Ludwig Börne in der deutschen Geistesgeschichte begründete."
Rudolf Augsteins "argumentative Kraft, sein ebenso polemisches wie politisches Temperament, sein publizistischer Rang und Einfluss machen ihn zu einem Preisträger, dem Börne nicht seinen Respekt und vermutlich auch nicht seine Freundschaft versagt hätte", heißt es in der Entscheidung weiter.
Der Börne-Preis erinnert an den Schriftsteller und Journalisten Ludwig Börne (1786-1837), der wegen seiner scharfzüngigen Prosa als Wegbereiter des politischen Feuilletons angesehen wird. Die Auszeichnung wurde 1993 zum ersten Mal vergeben. Im vergangenen Jahr ging sie an den Schriftsteller Georges-Arthur Goldschmidt.
Unter den bisherigen Preisträgern waren außerdem der frühere Leiter des außenpolitischen Ressorts der "Süddeutschen Zeitung" und jetzige "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe, der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der Kunstkritiker Joachim Kaiser und der frühere Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Joachim Fest.
Der 1923 geborene Augstein übernahm 1946 als 23-Jähriger die Herausgabe und Chefredaktion des Nachrichtenmagazins "Diese Woche", das seit 1947 unter dem Titel DER SPIEGEL erscheint. Augstein bezeichnete es einmal als "Sturmgeschütz der Demokratie". Immer wieder deckte der SPIEGEL innenpolitische Skandale auf.
Während der so genannten SPIEGEL-Affäre 1962 wegen des Artikels "Bedingt abwehrbereit", der angeblich landesverräterische Elemente enthielt, stellte sich Augstein als Herausgeber selbst der Polizei und kam erst Monate später frei. Das Verfahren gegen ihn und den Autor Conrad Ahlers wurde eingestellt. Im Nachklang der Affäre musste der damalige Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß (CSU) seinen Hut nehmen.
Augstein ist unter anderem Träger des Adolf-Grimme-Preises und des Großen Bundesverdienstkreuzes.