Mark Rothko-Ausstellung Expressionistisches Farbgehänge
Es soll Menschen geben, die sich ein Rothko-Bild zur besseren Kontemplation im Schneidersitz ansehen. Wie auch immer man sich diesen flirrenden Farbfeldern nähert: Stets wirken sie unmittelbar und intensiv, weil sie einen Gefühlszustand transportieren.
Die Ausstellung der Fondation Beyeler in Basel, die noch bis zum 29. April knapp 80 Werke präsentiert, ist ein später Nachruf auf Mark Rothko, der 1903 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer mit dem Namen Marcus Rothkowitz geboren wurde und sich 1970 in New York das Leben nahm. Rothko gehört zu den Begründern der New Yorker Schule, der einst auch Willem de Kooning und Jackson Pollock angehörten und aus der jener Stil des "abstrakten Expressionismus" hervorgegangen ist, der als erster Höhepunkt amerikanischer Malerei des zwanzigsten Jahrhunderts gilt.
Anfangs malte Rothko gegenständlich. Wobei schon in diesen frühen, in den dreißiger Jahren entstandenen Bildern, die meist minimalistische U-Bahn-Szenen aus Manhatten darstellen, die Figuren alle etwas Quadratisches an sich haben. In den vierziger Jahren kann man eine surreale Verflüssigung der Motive nach Art der Bilder von Miró beobachten. Seit 1948 entstehen schließlich jene leuchtenden Energiefelder, für die er so berühmt ist und die ein Bewunderer als "Farbschöpfungsakte" beschrieb, welche den Heiligenschein der russischen Ikonographie "ins Sphärische transzendieren".
Dominieren am Anfang noch strahlendes Gelb, Orange und Blau, so schwindet im Lauf der Jahre das Licht aus seiner Bilderwelt, reduziert sich die Palette auf Weiß, Grau, Braun und Schwarz. Auffallend dabei ist, dass Rothko nie vollkommen monochrome Bilder wie etwa Yves Klein malt. Immer schichtet er die Pigmente, die er gerne bei Woolworth kaufte, zu wolkenartiger Geometrie. Der formale Bildaufbau seiner wandgroßen Formate besteht vorwiegend aus horizontalen Streifen oder hochkantigen Rechtecken. "Kleine Bilder", hat er einmal gesagt, "sind seit der Renaissance wie Romane, große Bilder sind wie Dramen, an denen man auf eine direkte Weise teilnimmt."
Selten war Rothko mit der Präsentation seiner Bilder einverstanden. Nie nahm er an Gruppenausstellungen teil. Dicht aneinander sollten seine Werke gehängt werden, rahmenlos in den Raum strahlen, eine intime Atmosphäre vermitteln. Diese Anweisungen sind in Basel geradezu demütig befolgt worden. Sogar zwei Kapellen wurden in die Ausstellungsräume gebaut, die zur Meditation einladen.
Diese Basler Schau arbeitet in jedem einzelnen Raum die Stadien der Erhellung und der Verdunkelung deutlich heraus. Die Bilder gehen rätselhafte Wechselwirkungen ein. Einst von Star-Architekt Renzo Piano entworfen, erweist sich das Museum mit seinen tageslichtdurchfluteten Räumen ideal für dieses gigantische Geflüster in Farben.