"Maybrit Illner": Blabla-Bob setzt Ausrufezeichen - DER SPIEGEL
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"Maybrit Illner" Blabla-Bob setzt Ausrufezeichen

Wenn Punkrockpragmatiker Bob Geldof gegen Argumente anpoltert, dann weiß man: Wir sind in einer G-8-Talkrunde. Spätestens bei Maybrit Illners Sendung gestern wurde klar: Pop und Politik gehören nicht immer zusammen.
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Platte auflegen und durch. Nach diesem Prinzip, man kann es nicht anders sagen, absolvierte Bob Geldof seinen Auftritt bei Maybrit Illner. Er machte am Donnerstag sein "I don't Like Mondays"-Gesicht, dozierte von Punkrock als Lebenseinstellung und vom Rock'n'Roll als Medium des Wandels. Forderte, dass die Entwicklungshilfezusagen vom letzten G-8-Gipfel eingehalten werden, rief die Menschen in der Ersten Welt zu verantwortungsvollem Konsum auf und beschwor die Kraft der Bildung für die Dritte Welt. Nur eines tat Sir Geldof an diesem Abend prinzipiell nicht: auf Fragen antworten.

Die Erregungsmaschine lief zu dieser sehr späten Stunde im ZDF - zuvor hatte Carmen Nebel zweieinhalb Stunden lang den "Grand Prix der Chöre" dirigiert - auf Hochtouren. Zum wirklichen Austausch kam es kaum. Es verhielt sich also bei Maybrit Illner so wie in fast allen anderen der vielen Talkshows rund um den Wirtschaftsgipfel: Die einen mahnten und murrten, die anderen schoben der Globalisierungskritik prinzipiell aufgeschlossen gesonnen Zahlenkolonnen in die Diskussionen. Das ist inzwischen ein Ritual, das auch Geldof mit seinem pragmatischen Punkrockgebaren nicht auszuhebeln vermag.

Gefangen in der Talk-Schlaufe - bei Maybrit Illner sah das konkret so aus: Ganz links auf dem Podium saß Sahra Wagenknecht, Europa-Abgeordnete der Linkspartei.PDS, und verglich den G-8-Gipfel mit einer Versammlung von Mafia-Bossen. Ganz rechts hielt Norbert Röttgen, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion und Merkel-Vertrauter, seinen Posten und verteidigte mit viel Zahlenhuberei die Entwicklungshilfebeschlüsse seiner Chefin.

Dazwischen, und da darf man ruhig auf die Kraft der Symbolik vertrauen, war der Schauspieler Jan Josef Liefers angeordnet, der sich alleine durch seinen Einsatz in der Sat.1-Antiglobalisierungsschmonzette "Frühstück mit einer Unbekannten" seinen Platz in der Talkrunde verdient hatte. Liefers, der überzeugender spielen kann als frei zu sprechen, schwärmte von einem politischen Erweckungserlebnis mit dem Rockstar Bono und versuchte, die Diskussion ein bisschen motivationsseminarmäßig ins Ethische zu lenken. Erst zitierte er minutenlang seine kleine Tochter und deren Weltverbesserungsvorschläge, später brachte er die Rettung des Planeten für die ganz schlichten Gemüter auf eine griffige Formel: "Mehr Moral!"

Oje, das Talk-Elend nahm in dieser Donnerstagnacht also weiter seinen Lauf. Dabei hatte gerade am Abend zuvor Frank Plasberg bei "Hart aber fair" als Ausnahme von der Fernsehregel vorgemacht, wie es besser geht: Unter dem Titel "Teure Show, arme Welt - wer kann sich den Gipfel leisten?" hatte er sich sehr kleinteilig, aber auch sehr praxisnah mit den ökonomischen Aspekten der Globalisierung und der Globalisierungskritik beschäftigt. Das war kein Pop, nur popelige, aber dringend nötige Detailarbeit. Für Phrasendrescherei war da kein Platz.

Bei Maybrit Illner indes liefen sämtliche interessante Auslassungen zum Thema "Endlich Schluss mit dem Elend" während des aufgeheizten Talk-Tohuwabohus einfach ins Leere. So erklärte der Fondsmanager Eberhard von Koerber, als ehemaliger BMW-Manager übertriebener Antiglobalisierungs-Träumereien sicherlich unverdächtig, dass alleine mit milden Gaben, so schön die seien, Afrika nicht zu retten sei: Infrastrukturelle Notwendigkeiten seien um ein Vielfaches größer als das, was Entwicklungshilfe leisten kann. Seine Kritik am Gipfel war damit um einiges weitreichender als die vom Medien-Revoluzzer Geldof - und dazu auch noch schärfer formuliert: "Der Agrar-Protektionismus in Europa macht die Bauern in Afrika kaputt." Dass dies beim Treffen der Wirtschaftsmächtigen nicht thematisiert wurde, sah von Koerber als eigentlichen Skandal an.

Doch solche sozialökonomische Tiefenschärfe eines bekehrten Kapitalisten war gestern Nacht dann eben gar nicht unbedingt erwünscht. Und so skandierte Bob Geldof uns mit seinen Ein-Wort-Ausrufezeichen-Sätzen - Vertragsbruch! Schwachsinn! Schande über Deutschland! - in unseren überhaupt nicht gerechten Schlaf.

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