Medien: WAZ-Gruppe ernennt neue Chefredakteure - DER SPIEGEL
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Medien WAZ-Gruppe ernennt neue Chefredakteure

Gleich zwei Top-Personalien gibt es bei der Essener WAZ-Medien-Gruppe. Die beiden auflagenstärksten Titel "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" und "Westfälische Rundschau" erhalten mit Ulrich Reitz von der "Rheinische Post" und dem bisherigen Rau-Sprecher Klaus Schrotthofer neue Chefredakteure.
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Wochenlang wurde spekuliert, nun sind die Verträge unterzeichnet: Neuer Chefredakteur der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) wird der bisherige Chefredakteur der "Rheinischen Post", Ulrich Reitz. Bei der "Westfälischen Rundschau" folgt mit Klaus Schrotthofer der bisherige Sprecher von Johannes Rau und ehemalige Vize-Chef der "Berliner Zeitung" auf Frank Bünte, der zum Jahresende ausscheidet. Der bisherige WAZ-Chef Uwe Knüpfer hatte Anfang Juli angekündigt, seine Position Mitte 2005 aufzugeben, um innerhalb der WAZ-Gruppe neue Aufgaben zu übernehmen. Während Schrotthofer seinen neuen Job mit dem Weggang seines Vorgängers antreten soll, ist der Zeitpunkt für den Amtsamtritt von Reitz noch unklar: Offenbar muss der Chefredakteur der "Rheinischen Post" noch eine Regelung mit seinem bisherigen Arbeitgeber finden.

Für WAZ-Verhältnisse, wo die komplizierten Gesellschafter-Verhältnisse mit zwei rivalisierenden Familien-Dynastien traditionell für erhebliche Kalamitäten und Reibungsverluste sorgen, verlief die Suche nach geeigneten Kandidaten für die beiden Top-Jobs relativ schnell und offenbar vergleichsweise reibungslos. Eine eigens eingesetzte Findungskommission um die WAZ-Patriarchen Erich Schumann und Günther Grothkamp hatte mögliche Aspiranten sondiert. Die Vertragsverhandlungen für das publizistische Flaggschiff "WAZ" führten die beiden Granden als Frontmänner der beiden Gesellschaftergruppierungen persönlich, den Stabwechsel bei der "Westfälischen Rundschau" fädelten Geschäftsführer Bodo Hombach und Stephan Holthoff-Pförtner ein - alles hübsch paritätisch also.

Die "WAZ" ist die größte Abonnementszeitung Deutschlands und erreichte mit ihren Schwesterblättern "Neue Ruhr/Rhein Zeitung", "Westfalenpost" und "Westfälische Rundschau" zuletzt laut IVW eine Gesamtauflage von 1,024 Millionen Exemplaren - ein Minus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Überraschend kommt vor allem der Wechsel bei der traditionell eher linken "WAZ": Der liberal-konservative Reitz, Autor einer Schäuble-Biographie, schreibt in der "Rheinischen Post", die er seit 1997 leitete, mit Verve gegen die rot-grüne Regierungspolitik. Einen regelrechten Leser-Aufstand gab es bei der "Zeitung für Politik und christliche Kultur" im Februar 2003, als mehr als hundert "Rheinische Post"-Leser, darunter einige lokale Prominenz, sich in einem offenen Brief über die "unverkennbar einseitige Tendenz" in der Irak-Berichterstattung des Blattes beschwert hatten - vor allem auch in den Leitartikeln des Chefredakteurs.