Medienexpansion Murdoch startet US-"Times"
New York - Am 6. Juni ist ein Stichtag für "The Times", die zu Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation gehört. Dann erscheint die britische Zeitung auch in den USA. Das berichtet der Onlinedienst Adage.com. Die neue Ausgabe soll an Zeitungskiosken in New York und New Jersey zu kaufen, aber auch per Abonnement erhältlich sein. Der Preis: Ein Dollar. Damit ist sie ein bisschen billiger als in Großbritannien: Dort liegt der Preis für die tägliche Ausgabe bei 60 Pence, umgerechnet etwa ein Dollar und 12 Cent. Gedruckt werden soll die amerikanische Ausgabe in der Druckerei der "New York Post", die ebenfalls zu Murdoch Imperium gehört.
Seit 1981 ist der mächtige Australier, zu dessen Einflussbereich auch die Boulevardzeitung "The Sun" und der Entertainment-Konzern 20th Century Fox gehören, Eigner der traditionsreichen "Times ". Deren Reise über den Atlantik ist für ihren Herausgeber Robert Thomson ein "Schlüsselmoment in der Entwicklung von 'The Times' als eine internationale Marke". Bei der Online-Ausgabe der Zeitung habe man einen verstärkten Zugriff von amerikanischen Lesern bemerkt: "Das Erscheinen der Zeitung auf den Straßen New Yorks markiert den nächsten Schritt in unserer Print- und Web-Expansion."
Gegenüber SPIEGEL ONLINE bezeichnete der Medienexperte Jo Groebel Murdochs Entscheidung, mit der "Times" in den USA Fuß fassen zu wollen, als logischen Schritt: "Murdoch ist ein Global Player. Natürlich hat er wirtschaftliche Interessen an neuen Märkten. Die 'Times' in den USA - das ist aber zuerst mal eine Prestige-Sache." Jedoch: "Der Ostküstenmarkt ist zwar vollkommen besetzt, doch der Zeitungsmarkt ist von jeher innovationsfreudig und dynamisch."
Murdochs Versuchsballon könnte also durchaus Erfolg haben: Laut "Pressetext.de" werden keine neuen Mitarbeiter für die amerikanische Ausgabe eingestellt. Sie enthalte lediglich Artikel der britischen Ausgabe. Eine Sprecherin der Zeitung habe gesagt, die Erwartungen seien bescheiden, es gebe keinen Zeitplan, bis wann die amerikanische Version erfolgreich sein sollte. Während in Großbritannien die "Times" täglich 670.000 Exemplare verkauft, bleibt die Startauflage in den USA deutlich niedriger: Etwa 10.000 Stück sollen am Dienstag in den Verkauf gehen.
"Bei einer so geringen Auflage ist das auch ein risikofreier Schritt" sagte Groebel SPIEGEL ONLINE. "Erst mal den Markt anschauen. Und die simpelste Rechnung ist ja, die in New York und Umgebung lebenden Briten mit ihrer Heimat-Zeitung zu bedienen, das werden schon mehr als 10.000 sein." In diesem Sinne spekuliert Groebel auf einen "substantiellen Erfolg, die Wahrscheinlichkeit ist da. Die 'Times' könnte mit ihrer Art tatsächlich eine Marktlücke bestücken."