Medienkritik: Lammert kritisiert Talkshow-Schwemme - DER SPIEGEL
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Medienkritik Lammert kritisiert Talkshow-Schwemme

Der Bundestagspräsident gerät wegen der Talkshow-Schwemme im Fernsehen in Rage: "Sie simulieren nur politische Debatten", kritisierte Norbert Lammert im Interview mit dem SPIEGEL. Er wünsche sich ein Programm, "das nicht auf eine möglichst hohe Quote zielt".
Bundestagspräsident Lammert: "Simulierte politische Auseinandersetzung"
Bundestagspräsident Lammert: "Simulierte politische Auseinandersetzung"

Bundestagspräsident Lammert: "Simulierte politische Auseinandersetzung"

Foto: A3534 Michael Hanschke/ dpa
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Hamburg - Klare Worte von Norbert Lammert: Der Bundestagspräsident hat die "anschwellende Flut" von Politik-Talkshows in der ARD scharf kritisiert. "Sie simulieren nur politische Debatten. In Wahrheit benutzen sie Politik zu Unterhaltungszwecken", sagte er.

Inzwischen würden mehr Sendeminuten von Talkshows ausgestrahlt als der Parlamentsberichterstattung im Sonderkanal Phoenix eingeräumt werde. "Mich stört die Abstinenz bei authentischer und der Übereifer bei simulierter politischer Auseinandersetzung."

Der Bundestagspräsident forderte die Sender auf, ein Programm zu gestalten, "das nicht auf eine möglichst hohe Quote zielt". Es müsse den Programmverantwortlichen zu denken geben, "dass die Öffentlich-Rechtlichen diesen Quotenwettbewerb offenkundig nicht gewinnen".

Er habe "mit besonderer Freude registriert, dass die Fernsehübertragung der 'Aktuellen Stunde' im Falle Guttenberg nachmittags einen höheren Marktanteil erreicht hat als der von Öffentlich-Rechtlichen und Privaten gemeinsam veranstaltete Nicht-Ausscheidungswettbewerb mit Lena über einen deutschen Eurovisionsbeitrag im Abendprogramm wenige Tage zuvor".

Die aktuelle Japan-Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender lobte Lammert dagegen. "Das, was dort in den letzten Tagen geleistet wurde, ist durchaus bemerkenswert - und es bildet eben genau jene Kernkompetenz öffentlich-rechtlicher Sender ab, die ihren besonderen Status begründen."

Lammert sprach sich zudem dafür aus, die Präsenz von Politikern in den Gremien von ARD und ZDF zu reduzieren. Er halte sie "ganz und gar nicht für einen Vorteil, sondern eher für ein Handicap", sagte er dem SPIEGEL.

Sie führe bei den Politikern zu einer Zögerlichkeit, ihre Erwartungen an die Sender zu artikulieren. Er selbst würde es daher nicht bedauern, "wenn man sich zu einer Reduzierung dieser Präsenz entschließen könnte".

ssu