"Mein Freund Hitler" Der Skandal blieb aus
Brandenburg/Havel - Der aus einem James-Bond-Film bekannte Schauspieler Claude-Oliver Rudolph hatte das Drama "Mein Freund Hitler" des nationalistischen japanischen Autors Yukio Mishima erstmals in Deutschland inszeniert. Sein erklärtes Ziel war dabei die Provokation. "Am Theater interessiert mich nur der Skandal", hatte er vor der Premiere erklärt.
Das Stück selbst handelt von den Ereignissen vor der so genannten "Nacht der langen Messer", in der Adolf Hitler den SA-Chef Röhm und seinen innerparteilichen Gegner Gregor Strasser wegen angeblicher Putschpläne ermorden ließ. Rudolph stellt Röhm (Renate Muhri) als Frau dar, mit der Hitler (Rolf Peter Krahl) eine Beziehung unterhält. Der Diktator soll lächerlich gemacht werden, in dem er als Hampelmann hinter einem Rednerpult auftritt. Den Rassenwahn karikiert Rudolph mittels kleinwüchsiger SA-Darsteller. Den Putsch symbolisieren in Lederkluft gezwängte Rocker, die mit ihren Maschinen über die Bühne brausen.
Kritiker sahen den Versuch, einen Skandal hervorzurufen, nach der Uraufführung allerdings als gescheitert an. Anspielungen auf Hitlers Homosexualität würden niemanden mehr provozieren, und auch die Motorräder auf der Theaterbühne hätten eher hilflos gewirkt, hieß es.