Modefotograf Paolo Roversi: "Ein Fest der Eleganz" - DER SPIEGEL
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Modefotograf Paolo Roversi "Ein Fest der Eleganz"

Als Modefotograf ist Paolo Roversi so begehrt wie die Frauen, die für ihn posieren - Deneuve, Bruni oder Moss. Im Interview mit dem Fotoportal seen.by spricht er über den Reiz künstlichen Lichts und erklärt, wie er als Polaroid-Fan in der digitalen Welt zurechtkommt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frage: Was bedeutet weibliche Schönheit für Sie?

Paolo Roversi: Ich habe dafür keine genaue Erklärung oder Definition. Ich möchte auch gar keine finden, sondern sie in meinen Bildern eher wie einen Traum beschreiben. Die weibliche Schönheit beschäftigt mich seit jeher. Sie birgt ein Geheimnis für mich. Ich liebe ihre rätselhafte und verführerische Erscheinung. Diesen Zauber in meinen Bildern zu zeigen und zu bewahren, treibt mich bei der Arbeit an.

Frage: Gibt es einen Teil des Körpers, der sie besonders fasziniert?

Paolo Roversi: Ganz besonders die Augen. In ihrem Blick drückt sich die innere Schönheit aus. Und das Innere drückt das eigentliche Wesen des Menschen im Äußeren aus.

Frage: Sie fotografieren für die berühmtesten Modemacher der Welt. Welcher Aspekt steht bei diesen Arbeiten im Vordergrund: Das Model oder die Mode?

Paolo Roversi: Beides ist wichtig. Aber das Entscheidende ist das Porträt. Es bedeutet für mich immer wieder aufs Neue, den Geist und die Eleganz eines Gesichts in einer besonderen, magischen Stimmung einzufangen.

Frage: Wie schwierig ist es, Ihre individuelle Handschrift gegen aktuelle Trends in der Fotografie durchzusetzen?

Paolo Roversi: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Natürlich hat die Mode eine kommerzielle Seite. Gleichzeitig inspiriert sie auch. Sie sagt viel über die Person aus, die sie trägt. Man kann mit Mode bestimmen, wie man wirken möchte: romantisch, poetisch, verträumt oder manchmal auch ein bisschen verrückt.

Frage: Warum arbeiten Sie fast ausschließlich mit einer 8-mal-10-Zoll-Polaroid-Kamera?

Paolo Roversi: Es ist wie bei einem Maler, der seine Pinsel liebt oder einem Violinisten, dem eine bestimmte Geige viel bedeutet. Diese Kamera ist genau das richtige Instrument für mein Werk. Das bin ich. Mit ihr kann ich am besten ausdrücken, was ich möchte. Ich liebe ihre Größe, das Format. Ich kann mit beiden Augen gleichzeitig durchschauen, ein Bild nach dem anderen machen und es sofort betrachten. Das Foto ist ein reales, einzigartiges Objekt, das sofort entwickelt aus der Kamera erscheint. Außerdem liebe ich die Eigenständigkeit der Technik. Wie sie den Kontrast und das Aussehen bestimmt, ihre unwirklichen Farben. Sie lässt kein perfekt bestimmbares Ergebnis zu. Genau die Unwägbarkeiten und Missgeschicke, die sie verursacht, liebe ich an ihr.

Frage: Viele Ihrer Bilder erinnern in der Verwendung des Lichts an die Gemälde alter Meister.

Paolo Roversi: Fotografie bedeutet Licht. Es ist für mich das wichtigste Element in meiner Arbeit. Ich bevorzuge natürliches Licht, das durch das Fenster fällt. Licht bedeutet Leben. Wenn ich darüber nachdenke, denke ich zuerst an die Sonne. Aber auch künstliches Licht hat seinen Reiz. Mit ihm kann man besser eine verführerische Stimmung erzeugen.

Frage: Wie sehen Sie die Veränderung der Fotografie durch die digitale Technik?

Paolo Roversi: Ich finde sie großartig. Sie gibt dem Fotografen neue und ungeahnte Möglichkeiten, anders als alles bisher Dagewesene. Sie geht komplett neue Wege. Aber natürlich bin ich in einer anderen Welt groß geworden, die glücklicherweise meine Art zu fotografieren liebt.

Das Interview führte Sabine Tropp, seen.by


Ausstellung "Paolo Roversi", Galerie Camera Work Berlin, 13. Juni bis 27. Juli 2009
Paolo Roversi: "Guinevere van Seenus", Schirmer/Mosel, 34 Euro

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