Monty Python Sketch: Platon oder Dutschke - wer spielt den Ball? - DER SPIEGEL
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Philosophenkick in Athen: Wer spielt den Ball?

Foto: Alkis Konstantinidis/ dpa

Monty-Python-Sketch Eigentor von Karl Marx - Griechenland siegt 1:0

Die Partie dauerte nur wenige Minuten, das Ergebnis war klar: Griechenland hat Deutschland 1:0 geschlagen - durch ein Eigentor von Karl Marx. Bei einer Kunstaktion in Athen haben griechische und deutsche Schauspieler den legendären Sketch von Monty Python neu interpretiert.
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Der Videoclip von 1972 war in den vergangenen Tagen im griechischen Fernsehen immer wieder über die Bildschirme geflimmert: Das "philosophische Fußballspiel" zwischen Griechenland und Deutschland, in dem die britische Comedy-Truppe Monty Python Platon, Archimedes, Sokrates und Co. gegen deutsche Philosophen wie Kant, Nietzsche oder Hegel antreten ließ. Im Original gewinnt Griechenland in der letzten Minute durch ein Tor von Archemides ("Eureka!"), nachdem die Denker zuvor 90 Minuten lang sinnierend und debattierend über den Platz geschritten sind. (Hier der Link zum YouTube-Video )

Am Freitagabend, anderthalb Stunden vor Anpfiff des Viertelfinales, fand eine Neuauflage des Monty-Python-Spaßes statt: Griechische Schauspieler und Mitglieder des Schwabinggrad Balletts, eine Aktivistengruppe, zu der auch SPIEGEL-ONLINE-Autor Christoph Twickel gehört, reinszenierten das Spiel auf dem belebten Monastiraki-Platz in Athen unter den Vorzeichen der Euro-Krise.

"Schulden, die nie zurückgezahlt werden, aber in Ewigkeit fortbestehen sollen. Ein Bankensystem, das sich durch Sparprogramme rettet, welche die Einwohner überschuldeter Länder zu Hungerleidern macht. Wirtschaftsexperten die den Weltuntergang an die Wand malen, falls man von diesem Kurs abweicht, Politiker, die das glauben: Das soll das Resultat von rund 2500 Jahren europäischen Denkens sein?" fragten die Aktivisten in einer Pressemitteilung zum Spiel.

Denker in Kicklatschen

Einige hundert Zuschauer sowie ein Pulk von Journalisten und Kamerateams verfolgten das Spiel, bei dem dieses Mal auch revolutionäre Denker in historischen Kostümen mitkickten: Auf griechischer Seite der Partisanenkämpfer Aris Velouchiotis und die Antifaschistin und Schauspielerin Melina Mercouri, im deutschen Team standen etwa Rosa Luxemburg und Rudi Dutschke auf dem Platz. "Es geht um die Kritik der Verhältnisse, womöglich gar um die Abschaffung des Kapitalismus", riefen die Kommentatoren zum Einzug der Spieler. "Die große Frage ist: Wer spielt den Ball?"

Die Partie dauerte bei Temperaturen von mehr als 30 Grad dann nur einige Minuten. Nach einem Eigentor von Karl Marx wurde die Partie mit 1:0 für Griechenland gewertet. Anschließend enthüllten die Spieler unter dem Beifall der Zuschauer Transparente und Banner mit Slogans wie "Nieder mit dem Schuldenregime", "Kritik der reinen Unvernunft" oder "Technokraten sind schlecht in Mathematik". Als "Technokraten" gelten in Griechenland parteilose Experten wie der neue Finanzminister Vassilis Rapanos, der von den Parteien Nea Dimokratia und Pasok in die Regierung berufen wurde.

Pünktlich zum Anpfiff des EM-Viertelfinales Deutschland - Griechenland in Danzig strömten die Zuschauer in Athen dann in die nahe gelegenen Tavernen und Bars, die vielfach mit griechischen Flaggen geschmückt waren. Deutsche Fans waren wenige zu sehen. Das Ergebnis ist bekannt.

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Foto: Jens Wolf/ dpa