Moses P.: Wer hat Angst vorm bösen Mann? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Moses P. Wer hat Angst vorm bösen Mann?

Er gilt als Schläger und Deutschlands härtester Rapper. Doch zur Veröffentlichung seines musikalischen Frühwerks, das nicht in den Handel kommen wird, präsentiert sich Moses Pelham als missverstandener Künstler.
Von Jürgen Ziemer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Mann hat Erfolg und Talent, so viel ist klar: Moses Pelham verwandelte den gottesfürchtigen Mannheimer Sängerknaben Xavier Naidoo in einen deutschen Superstar. Und die Frankfurter Rapperin Sabrina Setlur brachte er ebenso an die Spitze der Hitparaden wie sein eigenes Rödelheim Hartreim Projekt.

Trotzdem ist Moses Pelham mit dem bisherigen Verlauf seiner Karriere nicht besonders glücklich. Der bullige Glatzkopf fühlt sich ungeliebt und missverstanden, von den Medien, den Plattenfirmen, von Kollegen und vor allem von TV-Moderatoren wie Stefan Raab, den er vor einigen Jahren bei der Verleihung des Musik-Preises "Echo" spektakulär verprügelte.

Und weil die Welt endlich den wahren Moses Pelham kennen lernen soll, veröffentlicht der Rapper nun sein fast 10 Jahre altes, einst von allen deutschen Plattenfirmen verschmähtes Album "The Bastard Lookin' 4 The Light". "Die Veröffentlichung dieser Platte hat etwas mit Loyalität zu tun, Loyalität dem Jungen gegenüber, der ich vor 10 Jahren war", sagt Pelham, der seinen ersten Hit bereits 1988 landete. Doch das Stück "Twilight Zone" war eine Produktion von Michael Münzing und Luca Anzilotti - besser bekannt unter dem Namen Snap!. Mit dieser Art Disco-Musik kann sich der Rapper heute überhaupt nicht mehr identifizieren: "grauenhaft, eine Jugendsünde". Dagegen klingt "The Bastard Lookin' 4 The Light" wie ein verschollener HipHop-Klassiker, mit einem schon damals sehr beseelt singenden Xavier Naidoo. Die Texte sind englisch und auch Musik lehnt sich an amerikanische Vorbilder an - vielleicht kamen deshalb damals die beiden einzigen Angebote aus den USA.

Heute hat Pelham seine eigene Plattenfirma 3p - Pelham Power Productions. Und zur Veröffentlichung seiner musikalischen Jugenderinnerungen hat sich der Chef etwas ganz besonderes ausgedacht: Der Vertrieb von "The Bastard Lookin' 4 the Light" läuft ausschließlich über das Internet und eine Telefon-Hotline. Der Verkauf startet am 24. Februar pünktlich um 0 Uhr - da feiert Pelham seinen 29. Geburtstag. Die gleichzeitig stattfindende Party wird natürlich ebenfalls online übertragen. Die Fans werden es zu schätzen wissen.

Doch der Mann selbst ist ruhiger geworden. Und nachdenklicher. Vor zwei Jahren floppte sein exzellentes Solo-Album "Geteiltes Leid", weil Pelham angeblich ein Kopfgeld auf Stefan Raab ausgesetzt hatte. Das war zwar nur ein derber Witz, aber auch eine bittere Erfahrung: "Wie sehr mich viele Leute hassen, dass wurde mir erst sehr spät bewusst. Ich bin inzwischen an einem Punkt, wo ich bereit bin zu sagen: "Hey, hör mal, das ist ein Missverständnis, lass uns reden."

Deshalb hat sich Moses Pelham gewundert als er neulich Post bekam von einem "Anti-Stefan-Raab-Club": " Die dachten wohl, wer den Raab verprügelt, der hat auch was gegen seine Musik. Dabei ist die Sache zwischen uns rein persönlich. Ich lass mich einfach nicht so behandeln, wie er das damals bei Viva getan hat. Was der Kerl für eine Musik macht, ist mir völlig Wurst".

Moses Pelham: "The Bastard Lookin' 4 the Light" (3p); Telefonhotline: 06152-58000

Mehr lesen über